Tipps von Mediziner, Hitze-Hotline

Freud und Leid der Hitze: Lernen im Freien, Menschen mit Hitzekollaps

Nach dem Hitzefrei ins Freibad: Maria Afrooz nund Johanna Scheuch (links) erfrischen sich in diesen Tagen im Freibad am Auedamm. 3 Fotos: Koch

Kassel. Die so genannte „Saharahitze“ in Nordhessen hat schon erste Opfer gefordert: Allein im Klinikum Kassel wurden am Donnerstag nach Auskunft der Gesundheit-Nordhessen-Holding drei Menschen mit Hitzekollaps eingeliefert.

Mediziner warnen, bei den herrschenden Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius vor einer extremen Hitzebelastung.

Solche Extremtemperaturen werden am dritten Tag in Folge auch für den heutigen Freitag erwartet. Erst am Sonntag soll es sich leicht abkühlen.

Richtig Sommer

Bis dahin gilt: Das ist mal richtig Sommer. Bevor abends in Kassel und Umgebung auf den Balkonen, an den Badeseen und in den Biergärten südländische Ferienlaune einkehrt, müssen die Tage bei der Gluthitze einigermaßen erträglich und gesundheitsschonend bewältigt werden.

Erinderisch bei Extremhitze: In der Luisenschule gab es gestern bis zum Hitzefrei auch Unterricht im Freien. Die Klasse 8c hat es sich mit ihrem Lehrer Steffen Koke (vorne) im schattigen Amphietheater der Schule bequem gemacht. Foto: Schachtschneider

Während der Wasser- und der Eiskonsum am Donnerstag eine weitere Steigerung erreichten, gab es in den Schulen flächendeckend, meistens ab der fünften Stunde, hitzefrei. Darüber entscheiden die Schulen laut Staatliches Schulamt in Eigenregie. Je nach räumlicher Situation, Sonnenschutzsystemen, Außen- oder Innentätigkeit wird dies individuell geregelt. An der Offenen Schule Waldau beispielsweise wurden die Klassen gestaffelt ins Hitzefrei entlassen, je nachdem wie sich die Temperatur in den Klassenräumen entwickelte, sagte Schulleiter Gerhard Vater.

Bis dahin wurde in so mancher Schulklasse kräftig mit dem Fächer gewedelt oder wenn möglich – wie in der Luisenschule – der Unterricht nach draußen, unter schattige Bäume verlegt. Das eigens hierfür angelegte Grüne Klassenzimmer der Luisenschule ist laut Schulleiter Werner Tapella in diesen Tagen besonders nachgefragt.

In den städtischen Kitas und Horten gibt es kein Hitzefrei. „Das Angebot wird wie üblich vorgehalten“, sagt Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp: „Die Eltern entscheiden, ob sie das Angebot auch bei den hohen Temperaturen für ihr Kind wahrnehmen möchten oder nicht.“

Das sagt die Medizinerin

Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden

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„Die menschliche Körpertemperatur beträgt um die 37°C, bei sportlicher Belastung steigt die Körpertemperatur auf circa 39°C“, sagt Dr. Karin Müller, die Leiterin der Gesundheitsregion Kassel: Der Körper versuche die erhöhte Körpertemperatur auszugleichen, indem er die Körperwärme nach außen abgibt über die Atmung und über den Schweiß. „Wenn die Außentemperaturen sehr hoch sind, über 30°C und mehr, muss dies der Körper durch erhöhte Anstrengung ausgleichen. Es kann dann zu Symptomen führen wie trockener Mund, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Kreislaufbeschwerden bis zur Erschöpfung und Bewusstseinseintrübung. Deshalb ist es sinnvoll, bei einer bestimmten Temperatur, die sich nach der räumlichen Situation und der körperlichen Anstrengung richtet, hitzefrei zu geben. Die zuträglichen Temperaturen, um dem Unterricht gut folgen zu können, liegen bei 20 bis 22 °C. Daher sollten aus meiner Sicht in lang anhaltenden Hitzeperioden die Innentemperatur in Schulräumen nicht mehr als 25°C beziehungsweise 26 °C über einen längeren Zeitraum betragen."

Hotline der DAK zur Hitze

Die extremen Temperaturen treiben die Zahl der Notfall-Patienten in die Höhe. „Die tropischen Temperaturen machen vor allem Kindern und älteren Menschen zu schaffen“, sagt Claus Uebel, Sprecher der DAK-Gesundheit in Hessen. Am heutigen Freitag, 3. Juli, schaltet die DAK in Hessen eine Hitze-Info-Hotline. Zwischen 10 und 16 Uhr bieten mehrere Ärzte telefonische Beratung unter der kostenlosen Rufnummer Tel.: 0800 1111841.

Wo es die schönsten und schattigsten Plätze gibt, erfahren Sie auf www.kassel-live.de

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