„Ich war das gewohnt, dass er mich ab und zu mal Schlampe nennt“

Freundin mit dem Tod bedroht: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen 

Kassel. Auch wenn sie von Liebe spricht: Es ist kein schönes Bild, das die junge Frau von ihrer Beziehung zu dem Angeklagten zeichnet. „Ich war das gewohnt, dass er mich ab und zu mal Schlampe nennt“, erzählt die 20-Jährige. „Das war für mich normal.“

Auch als die Beziehung der beiden im September 2013 wohl endgültig endete, hatte der 21-Jährige sie so herabgewürdigt. Aber diesmal war es nicht allein dabei geblieben.

Weil er seine Freundin damals nicht nur beleidigt, sondern auch geschlagen und mit Vergewaltigung und Tod bedroht hat, wurde der junge Mann am Dienstag vom Amtsgericht zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem muss er der Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro zahlen. Noch heute nimmt sie das Geschehen jener Nacht derart mit, dass sie in hoher Dosierung Antidepressiva schluckt.

Vier Jahre ein Paar

Vier Jahre lang, seit ihrer Jugend, waren die zwei jungen Leute ein Paar gewesen, zumindest immer mal wieder. Einen kleinen Sohn haben sie. Und der war auch der Grund, warum sie an diesem Septemberabend in Streit gerieten, wieder einmal. Sie wollte nicht, dass er mit dem Kind allein ist - weil sie seine Neigung zu Gewaltausbrüchen kannte und ihm nicht vertraute. Er beschwerte sich, dass sie ihm seinen Sohn vorenthalte. Und er war so betrunken, dass die Auseinandersetzung eskalierte wie nie zuvor.

„Mein Mandant erinnert sich wegen seiner Alkoholisierung, die 2,44 Promille betragen hat, nicht mehr an das, was geschehen ist“, erklärt Verteidiger Horst Korte. „Wenn es aber so gewesen sein sollte, möchte er sich dafür entschuldigen.“ Dafür, dass er die Mutter seines Sohnes erst beschimpft und dann mehrfach ins Gesicht und gegen den Kopf geschlagen hat. Und dass er sie schließlich in Todesangst versetzt hat.

„Heute bringe ich dich um, aber vorher ficke ich dich noch mal!“ So wutentbrannt habe der Mann diese Drohung ausgestoßen, dass sie ihm geglaubt habe, sagt die 20-Jährige. „Ich hab einen Film im Kopf gehabt, wen ich gern habe, weil ich gedacht habe, ich komm da nicht mehr lebend raus.“ Abwechselnd geküsst und geschlagen habe sie ihr Exfreund. „Das ging immer hin und her.“ Er habe sie daran gehindert, ihre Wohnung zu verlassen, und ihr irgendwann sogar ein herumliegendes Teppichmesser vor den Bauch gehalten.

Wegen seiner Androhung, die Frau zum Sex zwingen zu wollen, war dem Angeklagten ursprünglich auch versuchte Vergewaltigung zur Last gelegt worden. Doch mehr, als dass die 20-Jährige auf seine Aufforderung ihren Pullover ausgezogen hatte, war nicht passiert.

Denn bevor der Mann seine Drohung hätte wahr machen können, hatte schon die von einer Nachbarin alarmierte Polizei vor der Tür gestanden. „Ob es wirklich zum Geschlechtsverkehr gekommen wäre“, sagt Richterin Ferchland, „wissen wir nicht.“

Von Joachim Tornau

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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