Friedensforscher Peter Strutynski ist tot

Friedensaktivist Dr. Peter Strutynski starb 70-jährig. Archivfoto: Eder

Kassel. Bis zuletzt hat er gekämpft, sich eingemischt, zu Wort gemeldet, wenn es darum ging, das kostbare und fragile Gut Frieden zu bewahren oder überhaupt erst zu erwirken.

Einer der bekanntesten Friedensaktivisten Deutschlands, der Politikwissenschaftler, Friedensforscher und engagierte Pazifist Dr. Peter Strutynski, ist im Alter von 70 Jahren in Kassel gestorben.

Der Gründer und langjährige Vorsitzende des Kasseler Friedensforums und zuletzt Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag Kassel starb nach langer schwerer Krankheit in der Nacht zu Sonntag.

Noch im Februar hatte er sich anlässlich des Mottos der diesjährigen Ostermärsche, Ukraine-Konflikt und Terrormiliz Islamischer Staat, in der HNA zu Wort geäußert. Bis zum Schluss habe er auch gegen seine Krankheit angekämpft, erzählt seine Frau, Erika Wittlinger-Strutynski, gleichzeitig habe er seinen Blick für kleine private Glücksmomente geschärft.

Der in Österreich geborene Politikwissenschaftler Peter Strutynski, Sohn einer rumänischen Mutter und eines deutsch-ukrainischen Vaters, war 1977 aus München an die Kasseler Hochschule gekommen, zunächst mit dem Schwerpunkt Arbeitspolitik. Schon bald widmete er sich seinem Lebensthema, der Friedensarbeit. Die Geburt seines Sohnes im Jahr 1979 habe dieses Engagement noch verstärkt, sagte er einmal im HNA-Gespräch.

1981 hatte der linke Kapitalismuskritiker mit einigen Mitstreitern vor dem Hintergrund des Nato-Doppelbeschlusses mit seinem entsprechenden Rüstungsauftrag das Kasseler Friedensforum gegründet. Jahrelang leitete Strutynski die AG Friedensforschung in Kassel. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützte die Arbeit. Zuletzt hatte er den „Friedensratschlag“, eine regelmäßig stattfindende wissenschaftlicher Tagung und Aktivistenvernetzung zugleich, nach Kassel geholt.

Immer war er mit einem Megafon bestückt an vorderster Front, wenn Friedensmärsche durch Kassel zogen. Von Atomwaffengegnern in den 1960er-Jahren als Protestform initiiert, wurden die Märsche zur Bewegung christlicher, pazifistischer und sozialistischer Gruppierungen. Strutynski wurde nicht müde zu mahnen, zu erinnern, hartnäckig zu sein als Lobbyist für den Frieden, auch in Zeiten, als es nicht mehr modern war, mit Friedenstauben-Symbolen auf Ostermärschen aufzulaufen.

Die Aufklärungsarbeit der Friedensbewegung habe „dazu beigetragen, dass die einst so militaristische deutsche Bevölkerung heute mehrheitlich Krieg ablehne“, lautete Strutynskis Credo. Er war stolz darauf, 1991, vor dem ersten Irakkrieg, in Kassel eine Großdemonstration mit 20 000 Menschen mit auf die Beine gestellt zu haben. Hochgradig „engagiert“ ist eine Vokabel, die vielen zu Strutynski einfällt. Einen Gegenpol zu dieser Konzentriertheit bildeten für ihn Sport, Musik sowie Theaterbesuche. Peter Strutynski hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Kinder.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 9. Oktober, ab 12.15 Uhr in der Kapelle des Westfriedhofs statt.

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