Mehr Kunden aber auf Kritik an Parksituation

Friedrich-Ebert-Straße: Kaum Leerstand auf Kassels Flaniermeile

Stefan SeegertEinzelhändler und Gastronom

Seit dreieinhalb Jahren präsentiert sich die Friedrich-Ebert-Straße zwischen Ständeplatz und Annastraße in neuer Gestaltung, zuvor wurde bereits die Goethestraße bis zur Germaniastraße als Flaniermeile umgebaut.

Für die geschäftlichen Anlieger dort überwiegen auf längere Sicht die positiven Erfahrungen, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg jetzt in einer Umfrage ermittelt. Aber es gibt auch kritische Stimmen und Verbesserungswünsche.

Bei der Umfrage haben laut IHK 42 Prozent der Teilnehmer angegeben, dass sie eine bessere Kundenfrequenz als vorher verzeichnen. Als Hauptgrund dafür wurde eine verbesserte Aufenthaltsqualität fürs Publikum genannt. Ebenfalls 42 Prozent der Befragten gaben an, dass der Kundenzuspruch gleich geblieben sei. Von einer Verschlechterung sprachen die Wenigsten.

Dies könnte auch daran liegen, dass sich die Einzelhändlerszene im Viertel gewandelt hat. Etwa ein halbes Dutzend Läden und Lokale, so schätzt IHK-Bereichsleiter Carsten Heustock, hat die schwierigen Umbaujahre nicht überstanden und aufgegeben. Daran hätten aber auch „individuelle Probleme“ der betroffenen Betriebe einen Anteil gehabt, meint er.

Ungleich größer ist die Zahl jener Betriebe, die sich seit Beginn des Umbauprojekts neu im Quartier angesiedelt haben. Hinzu kamen etwa die Modehäuser Funke und Traumbraut, Einrichtungsläden wie Stey und Marquardt Küchen sowie Gastronomien wie die Bars Seibert, Papagayoo und Koon, das Bitburger Bierhaus und etliche mehr. Andere eingesessene Geschäfte wie Etuis-Mertl oder das Café Lange haben kräftig in zeitgemäße Räumlichkeiten investiert. „Wir haben inzwischen so gut wie keinen Leerstand mehr“, sagt Apotheker Klaus Parzefall von der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße.  

Während die enstandene Vielfalt bei der IHK-Umfrage gelobt wurde, lässt die Parksituation für viele Teilnehmer zu wünschen übrig. 38 Prozent von ihnen meinten, die Parksituation an der neuen Meile habe sich verbessert, demgegenüber klagten 31 Prozent über eine Verschlechterung. Auf Kritik stößt vor allem die weggefallene Möglichkeit, sich für kurze Besorgungen ein kostenloses 30-Minuten-Parkticket zu ziehen („Brötchentaste“).

Schuhmachermeister Wilfried Grulke ist einer, der darunter besonders zu leiden hat. Seit seine Kunden nicht mal kurz gratis stoppen können, um Reparaturware zu bringen oder zu holen, seien die Umsätze massiv eingebrochen, berichtet er: „Für uns wird das nie wieder so werden wie vorher.“

Dass die Stadt Kassel die gebührenpflichtigen Parkzeiten im Quartier von 20 auf 18 Uhr gesenkt hat, nützt Grulke nichts, weil er dann Feierabend macht. Bei der IHK-Umfrage hatten insgesamt 69 Prozent der teilnehmenden Betriebe angegeben, dass die neue Regelung keinen positiven Effekt für sie habe. Sie wünschen sich eine Möglichkeit wie die Brötchentaste zurück, damit schnelle Feierabend-Besorgungen nicht anderswo erledigt werden.

Eine andere Sicht der Dinge kommt von Stefan Seegert, der seine Kaffeerösterei mit Ausschank Ende 2013, mit Beginn der Straßen-Umgestaltung, eröffnet hat. Seegert macht ebenfalls um 18 Uhr zu, verzeichnet nach seinen Angaben aber ein stetiges Umsatzwachstum, seit die Flaniermeile fertig ist.

Es seien geschäftlich harte Monate gewesen, als die Straße aufgerissen war, und für ihn persönlich „eine Knäckebrotphase“, berichtet der Kaffeeröster. Das Wagnis der Neueröffnung sei er aber von Anfang an mit der Perspektive eingegangen, dass nach dem Umbau ein wesentlich attraktiveres Umfeld für Händler und Kunden entstehen werde. Archivfotos: IHK/Dessauer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.