Mit dem Umbau sank der Umsatz

Friedrich-Ebert-Straße: Tramperladen „Columbus“ gibt wegen Baustelle auf

Ausverkauf: Hartmut Rossbach (links) und Volker Schulz schließen ihr Abenteurer-Geschäft „Columbus“ an der Friedrich-Ebert-Straße. Bei der Gründung vor 35 Jahren war der Tramper- und Kanuladen einer der ersten seiner Art in Deutschland gewesen. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Drei Jahre lang Baustellen vor der Ladentür, wegen der Umleitungen und mangels Parkplätzen bleiben viele Kunden fern – diese Durststrecke übersteht nicht jeder Einzelhändler an der vorderen Friedrich-Ebert-Straße, die derzeit umgestaltet wird.

Der alteingesessene Reiseausrüstungsladen Columbus muss jetzt „die Notbremse ziehen“, wie die Betreiber Volker Schulz und Hartmut Roßbach sagen: Sie haben zum Wochenstart den Totalausverkauf begonnen und werden demnächst schließen.

Der frühere „Tramper- und Kanuladen“ war vor 35 Jahren einer der ersten seiner Art in Deutschland. Reiselustige Abenteurer deckten sich dort vom Rucksack-Kocher bis zum Moskitonetz mit allem ein, was sie für ihre Touren in der Bergwelt oder Wildnis brauchten.

Doch das Geschäft mit Outdoor-Artikeln habe sich dramatisch gewandelt, berichten die Betreiber: Nicht Expeditionsvorbereitung mit Spezialistenberatung, sondern modischer Outdoor-Freizeitschick sei heute der Umsatzbringer, sagt Hartmut Roßbach und benutzt das Bild von der „Hochleistungs-Daunenjacke zum Entenfüttern“. Um in diesem Geschäft mit den immer zahlreicheren Sport- und Outdoor-Filialisten mitzuhalten, „braucht man allerdings Laufkundschaft“, sagt Roßbach. Und daran fehle es zurzeit massiv zwischen all den Bauzäunen an der Friedrich-Ebert-Straße. Es gehe aber nicht nur um Kunden zu Fuß, ergänzt Volker Schulz: „Wer kauft denn hier derzeit schon ein Kajak, wenn er sein Auto etliche hundert Meter entfernt parken muss?“

Seit Beginn der Bauarbeiten seien die Umsätze um fast 50 Prozent zurückgegangen, das könne „auf Dauer keiner aushalten“. Die Lücke werde momentan aus den persönlichen Finanzreserven der Betreiber gefüllt. Dies könne nicht länger so weitergehen – wenn auch die Friedrich-Ebert-Straße insgesamt von dem Umbau sicher profitieren werde.

Klaus Parzefalll

„Wir erwarten dann eine deutlich höhere Kundenfrequenz“, sagt Apotheker Klaus Parzefall, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße. Andererseits befürchte er aber auch eine zunehmende Verdrängung des inhabergeführten Handels, wenn die Mietpreise an der aufgewerteten, citynahen Meile so anziehen sollten, dass sich nur noch Filialketten viele Ladenstandorte leisten können, sagt Parzefall. Im ständigen Dialog mit Hauseigentümern und Maklern versuche die Händlergemeinschaft, einen guten Einzelhandelsmix hinzubekommen. „Was wir hier noch brauchen könnten, wären zum Beispiel hochwertige Bekleidungsangebote.“

Der Händler-Sprecher setzt darauf, dass die meisten der vielen derzeit leer stehenden Ladenlokale eher für private Einzelhandelsgründer interessant sind als für Filialketten: „Für die sind die Flächen hier meist nicht groß genug.“

„Columbus“-Mitbetreiber Roßbach meint, es werde etliche Jahre dauern, bis die vordere Friedrich-Ebert-Straße zu einer gut funktionierenden Einkaufsmeile werde: „Wir hatten hier 15 Jahre Abstieg und Verfall. Die Kunden haben sich längst an andere Einkaufswege gewöhnt, die sie so bald nicht wieder ändern werden.“

Von Axel Schwarz

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