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André Lemmer ist neu an St. Elisabeth in Kassel - und der jüngste katholische Pfarrer in Kassel

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Von: Katja Rudolph

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André Lemmer in der Kirche St. Bonifatius.
Der jüngste katholische Pfarrer in Kassel: André Lemmer (39) leitet seit Mitte des Monats die Pfarrei St. Elisabeth. Das © Andreas Fischer

Er ist neu in Kassel an der Gemeinde St. Elisabeth und als junger katholischer Priester in der katholischen Kirche heiß begehrt: André Lemmer ist unter Kassels Pfarrern der Benjamin.

Kassel – Vor gerade mal zwei Wochen hat André Lemmer die Pfarrstelle an der katholischen Gemeinde St. Elisabeth angetreten. Aus vielen ersten Eindrücken und Begegnungen kristallisiert sich für den 39-Jährigen schon das Gefühl heraus: „Hier kann es sehr, sehr gut werden.“ Zuletzt war der gebürtige Marburger als Kaplan in Gelnhausen tätig.

Für die Aufgabe in Kassel hatte er sich zwar nicht beworben. „Aber bisher waren alle Entscheidungen, die das Bistum für mich getroffen hat, ein schwerer Schlag. Und es wurde dann wunderschön“, sagt er, lacht laut und herzlich – und fügt erklärend hinzu: „Da wo ich gerade war, war ich immer zufrieden.“

Nun St. Elisabetn als zentrale Pfarrei der Stadt mit knapp 7000 Mitgliedern. Neben der namensgebenden Kirche am Friedrichsplatz gehören St. Joseph am Rothenberg, St. Bonifatius (Wesertor), St. Laurentius (Philippinenhof-Warteberg), die Kapelle auf der Hasenhecke und zwei Kitas zur neuen Wirkungsstätte. Er sehe der Aufgabe „mit Respekt, aber ohne Angst entgegen“, sagt Lemmer, für den es die erste Pfarrstelle ist.

Der 39-Jährige ist mit Abstand der Benjamin unter Kassels katholischen Priestern. Für ihn ist es bereits der zweite Beruf: Nach der Mittleren Reife wurde Lemmer zunächst Biologielaborant und arbeitet mehrere Jahre bei einem Marburger Pharmaunternehmen. Das habe ihm durchaus Spaß gemacht, erzählt Lemmer, doch als er den ersten Festvertrag unterschrieb, „hat es sich falsch angefühlt“. Er holte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte das, womit er seit Kindesbeinen geliebäugelt hatte: Theologie.

Mit dem katholischen Priesteramt einher geht das zölibatäre Leben. Eine schwierige Entscheidung? Natürlich, sagt Lemmer, der offen und lebensfroh wirkt. „Es wäre ein schlechtes Signal, wenn man dazu sofort Ja sagen würde.“ Nur wenn man sich daran reibe, so formuliert er es, könne man auch die Schätze des Zölibats heben: „dass ich wirklich frei bin für mich und andere“. Mit vier Geschwistern und neun Neffen und Nichten habe er trotzdem eine große Familie, sagt Lemmer, und beziehungsähnlich seien für ihn einige tiefe Freundschaften.

Die Arbeit an St. Elisabeth sieht er als „Gemeinschaftswerk“ zusammen mit dem Pfarreiteam, Gremien und Gemeindegliedern. „Der Pfarrer hat in bestimmten Situationen zwar eine herausgehobene Situation, aber er ist nicht der Bestimmer.“ Den Fusionen zu einer städtischen Großpfarrei in den nächsten Jahren steht Lemmer gelassen gegenüber. In Gelnhausen habe er erlebt, dass Priester durch die Zusammenlegung von Verwaltungsstrukturen mehr Raum für Seelsorge erhalten. „Große Pfarreien bedeuten für mich nicht weniger, sondern mehr.“

Doch an Strukturen und Reformdebatten will er sich nicht lange aufhalten: „Es stört mich gewaltig, dass wir innerkirchliche Diskussionen stärker beleuchten als das Evangelium, das nicht nur Lebenshilfe, sondern Lebensweg ist.“ Seine Meinung zu den großen Themen der katholischen Kirche habe keine Relevanz, sagt der Pfarrer und klingt selbstbewusst. Diese sollten von der Weltkirche beantwortet werden und das dringend. Seine Aufgabe an der Basis sehe er darin, „den Geist Gottes spürbar zu machen“. So herum werde ein Schuh draus, findet er: „Da, wo ich eine Gemeinde habe, die den Willen zur Reform aus der Begegnung mit Gott schöpft, habe ich auch die Kraft, etwas zu verändern.“

Die Botschaft Jesu Christi sei „so genial und so wichtig für diese Zeit“, sagt Lemmer. Er wolle dazu beitragen, Kirche wieder interessant zu machen. Dabei schwebt ihm etwa ein Sonntag vor, der über eine Stunde Messe hinaus zum „Tag des Erlebnisses“ werde, an dem man Gemeinschaft pflegen und die Beziehung zu Gott leben könne.

In seiner Freizeit ist der Pfarrer derzeit noch damit beschäftigt, sein neues Zuhause einzurichten. Weil ins bisherige Pfarrhaus an St. Bonifatius Ordensschwestern eingezogen sind, wohnt er in einer Mietwohnung im Vorderen Westen. Dort wird André Lemmer künftig auch viel kochen, selbst Brot backen und Wurst herstellen (sogar mit Ahler Wurscht hat er schon Erfahrung). Auf die Fulda freut er sich als Angelrevier. Und als Poetry Slammer macht er aus theologischen Themen Sprechgesang. Auch im Radiosender hr1 gibt er der Kirche eine Stimme. So viel steht fest: Von André Lemmer wird man in Kassel noch viel hören. (Katja Rudolph)

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