Wie neu in 8000 Stunden

Frischekur für alte Straßenbahnen: Bei der KVG wird saniert

Kassel. Neu kaufen oder selber renovieren? Diese Frage stellte sich die KVG vor etwa drei Jahren, als es um die Zukunft der Niederflurstraßenbahnen mit der Fachbezeichnung 6ENGTW ging. Nach einigem Abwägen entschied man sich, zunächst 15 der insgesamt 25 Fahrzeuge, die seit 1991 im Einsatz sind, selbst auf Vordermann zu bringen.

Ab Dienstag rollt die erste runderneuerte Niederflurstraßenbahn wieder durch Kassel, eigentlich hätte sie im Jahr 2016 ausgemustert werden müssen. Eine neue Bahn zu kaufen, koste etwa drei Millionen Euro, die Renovierung pro Fahrzeug eine Million, sagt Karsten Kamutzki, Fachbereichsleiter Technik und Fahrzeuge bei der KVG. Allerdings würden dadurch nicht automatisch zwei Millionen Euro pro Bahn gespart. Neue Fahrzeuge seien etwa 30 Jahre im Betrieb, bei sanierten gehe man von 16 Jahren aus. Und bei Neufahrzeugen seien die Kosten pro Kilometer höher.

„Ich wollte schon immer mal Oldtimer aufarbeiten. Zuhause habe ich aber keinen Platz, jetzt mache ich das eben bei der Arbeit.“

Über etwa drei bis fünf Monate stecken die insgesamt 73 Mitarbeiter im KVG-Betriebshof Wilhelmshöhe etwa 7000 bis 8000 Arbeitsstunden in die Sanierung einer Bahn, die dazu komplett entkernt wird. „Das ist nicht nur etwas Rost abkratzen“, so Kamutzki. In Zusammenarbeit mit örtlichen Firmen aus der Branche wie Hübner und Henschel Antriebsrechnik werden Tausende Einzelteile ausgebaut, erneuert oder ersetzt und wieder eingebaut.

Damit betritt die KVG ein Stück Neuland. Nach allem, was Kamutzki weiß, sind bisher nirgendwo anders in Deutschland Niederflurbahnen komplett saniert worden.

Auch für die Mitarbeiter ist das Projekt etwas Besonderes. Denn eigentlich ist der KVG-Betriebshof eine Werkstatt für die Instandhaltung und nicht für die Produktion. „Durch so eine Herausforderung wächst die Mannschaft zusammen“, sagt Kamutzki. Gefragt sei ingenieurmäßiges Denken.

Die Sanierung in Bildern

Frischekur für Straßenbahnen: KVG entkernt Wagen

Mario Schierock, Teamleiter Wagenaufbau, kümmert sich sonst mit 20 Mitarbeitern darum, dass Trams, die bei Unfällen beschädigt wurden, möglichst schnell aufs Gleis zurückkehren. Eine Sanierung sei fast so, als würde man ein Fahrzeug neu bauen. „Ich wollte schon immer mal Oldtimer aufarbeiten“, scherzt Schierock. „Zuhause habe ich aber keinen Platz, jetzt mache ich das eben bei der Arbeit.“

Von Claas Michaelis

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