„Kassel anders“ heißt ein neues Buch über Menschen, Lieblingsplätze und Ideen

Frischer Blick auf die Stadt

Mario Zgoll

Kassel. Auch wenn der documenta-Sommer dem Ende entgegen geht, muss niemand befürchten, dass Kassel in einen Dornröschenschlaf verfällt. Die Stadt an der Fulda ist nach Überzeugung von Dr. Claudio Funke und Mario Zgoll längst keine nörgelverliebte Provinzmetropole mehr, die schon dankbar ist, wenn sie mal auf einer Wetterkarte auftauchen darf. Mit ihrem Stadtporträtbuch „Kassel anders“, das am 15. September erscheint, setzen der Medienberater und der Fotograf alten Klischees ein frisches, selbstbewusstes Kassel-Bild entgegen.

In etwa 75 Kurzporträts bietet das 144-Seiten-Büchlein ein Panorama von Menschen und Orten, die Kassel kennzeichnen und lebenswert machen. Anders als herkömmliche Stadtführer richtet „Kassel anders“ seinen Blick auf Szenetreffs, Selbstdarsteller, Ideenschmieden, Kultur-Ikonen und Institutionen eines entspannt-urbanen Kassel-Gefühls.

Mit lustvoller Konsequenz und Mut zur Lücke bekennen sich die Herausgeber zum subjektiven Blick: Mario Zgoll zeigt mit seinen ungewöhnlichen, oft erotisch aufgeladenen Fotoinszenierungen, dass das Dasein in Kassel nicht schnödes Schicksal ist, sondern überaus sexy sein kann. Und Claudio Funke, Exil-Berliner, Kopf des Autorenteams und Institution im Vorderen Westen, genießt es in der Gesamtauswahl der Porträts, vor allem seinen geliebten Kiez einmal hymnisch zu inszenieren und zu feiern. Doch der Bogen ist wesentlich weiter gespannt.

Nicht nach Protokoll

Der Reiz des Buches liegt auch darin, dass nicht die üblichen Kasseler Berühmt- und Bekanntheiten protokollarisch abgehakt werden, sondern dass der Hinterhofhändler und der Handwerker, der glamour-affine Arzt und die räudige Flaschenbierkneipe gleichberechtigt nebeneinander stehen und so das Panorama einer vitalen und toleranten Stadt ergeben. So scheint im Untertitel „Endlich! Neue Sicht“ auch auf, dass die Autoren dem gewachsenen Selbstbewusstsein der Stadt Rechnung tragen wollen.

Die postulierte Andersartigkeit des Blicks auf Kassel kommt auch darin zum Ausdruck, dass zu vielen der Porträts computerlesbare QR-Codes abgedruckt sind. Wer sie mit einem entsprechend ausgerüsteten Handy oder Tablet-Computer scannt, kann auf dem Bildschirm einen 360-Grad-Rundumblick in die jeweils beschriebene Örtlichkeit werfen.

Claudio Funke / Mario Zgoll: Kassel anders – Endlich! Neue Sicht. 144 Seiten, gebunden, 14.90 Euro. Bernecker / Vertrieb: Wartberg Verlag. ISBN: 978-3-8313-2447-7

Von Axel Schwarz

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