Neues Verbundsystem spart Sanierungskosten und bietet Lüftungskomfort

Frischluft aus der Fassade

Kassel. Wenn die Welt den Klimawandel in den Griff bekommen will, reicht es nicht, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Die Einsparung konventioneller Brennstoffe ist genauso wichtig. Die Sanierung alter Häuser bietet da ein großes Potenzial, vor allem wenn die Dämmung der Fassade mit dem Einbau einer Wärmetauscher- und Lüftungsanlage einhergeht. Doch davor schrecken viele Hausbesitzer wegen des hohen finanziellen Aufwands zurück.

Das Kasseler Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) hat nun ein intelligentes Verbundsystem namens „Fresh-Air-Wall“ entwickelt und patentieren lassen, das sowohl den Eigentümern Kosten spart als auch den Mietern Baustellendreck und -lärm sowie das lästige, regelmäßige Lüften ihrer Wohnung. Die Vermarktung in Kooperation mit einem industriellen Partner soll nächstes Jahr beginnen.

Kernstück der Erfindung aus Kassel: Das Lüftungssystem wird in die Dämmung aus Polystyrol-Platten integriert und vor die alte Fassade gedübelt und geklebt. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt die Räume über die Lüftungskanäle in den industriell vorgeformten Dämmplatten mit Frischluft und saugt die verbrauchte warme Luft ab. Für den Zugang zu diesem Lüftungssystem reicht jeweils eine Bohrung von innen pro Zimmer an unauffälliger Stelle. Der zeit- und kostenintensive Einbau von Lüftungsrohren entfällt.

Bei einem Einfamilienhaus spare man etwa 8000 Euro, schätzt Jan Kaiser, Diplom-Ingenieur am IBP. „Wir wollen die Kostenhürde bei Altbausanierungen durchbrechen“, sagt der Wissenschaftler.

Professor Gerd Hauser, Direktor des IBP, der bei der Kasseler Entwicklung federführend ist, testet den Prototyp des Lüftungssystem im 1920er-Jahre-Altbau seiner Frau Helga an der Haroldstraße. Sie hat das System bei der energetischen Sanierung des Gebäudes einbauen lassen. „Ich brauche nachts viel frische Luft. Deshalb habe ich bisher auch bei Eiseskälte mit geöffneten Fenstern geschlafen. Jetzt bleiben die Fenster zu“, sagt Helga Hauser.

Das Wärme raubende Fensterlüften kann man sich in der Regel mit dem neuen System sparen. Damit habe auch der häufige Streit zwischen Vermietern und Mietern über die Ursache von Schimmelbildung und angeblich falsches Lüften ein Ende, sagt Kaiser.

Für Wohnungsgesellschaften sei die Entwicklung besonders interessant, auch weil das System mit nur einem zentralen Lüftungs- und Wärmetauscher-Gerät auskomme. Das spare Wartungskosten. Er habe schon viele Anfragen erhalten, berichtet der Wissenschaftler.

Bei Familie Hauser steht die Lüftungsanlage im Keller. Seit einem Jahr wertet das IBP mit Computern die Betriebsdaten aus. „Das System funktioniert so, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt Kaiser.

Infos: Fraunhofer IBP, Rita Schwab, Tel. 0711/9703301, www.ibp.fraunhofer.de

Von Peter Dilling

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