Museum für Sepulkralkultur erlebte beim mexikanischen Totenfest Besucheransturm

Gedenken an Frida Kahlo: Malena Gutierrez, Lea Bütefisch, Luna Kiefer, Maia Nessao und Alba Gutierrez (von links) haben diesen Opfergabentisch für die 1954 gestorbene mexikanische Malerin gestaltet. Fotos: Dilling

Kassel. Der Nebenraum im Kasseler Museum für Sepulkralkultur strahlt die Atmosphäre einer Kapelle aus. Auf mehreren, wie Altäre wirkenden Tischen sind die Fotos Verstorbener aufgestellt, umrahmt von Erinnerungsstücken und Speisen, die sie zu Lebzeiten besonders gern hatten.

Diese Ofrendas, mexikanische Opfergabentische, haben Kinder liebevoll gestaltet. Wenige Meter weiter herrscht Trubel: Besucher stehen nach mexikanischen Taccos und Mole von Arroz, Hühnchen in Chili-Soße, an. Vor der Tür des Museums ist auch eine Schlange: Viele Gäste müssen draußen bleiben, das Haus ist voll.

Mexikanisches Totenfest im Museum für Sepulkralkultur

Das Museum für Sepulkralkultur erlebte beim vierten mexikanischen Totenfest am Freitagabend einen Besucheransturm. Rund 400 Neugierige wollten die Tradition des nordamerikanischen Landes, die Erinnerung an die Toten mit Musik und Fröhlichkeit wachzuhalten, kennenlernen. Unter den Besuchern ist auch Martin Roos aus Kassel, der beim Fest seine mexikanischen Freunde trifft. Die Lateinamerikaner hätten eine andere Art als Deutsche, mit ihrer Trauer umzugehen. „Die holen sich selbst aus dem Tief heraus“, sagt Roos.

Und das geschieht in Mexiko, indem die Angehörigen am „Tag der Toten“ gemeinsam auf die Friedhöfe gehen, dort reden und musizieren, erzählt, Laura Wittig (37), die als mexikanische Studentin in ihrer Heimat den späteren Ehemann Jörn (36) kennenlernte, der damals ein Praktikum im VW-Werk in Puebla machte. Heute lebt das Paar mit Sohn Henry (3) in Kassel. „Am Tag der Toten ist man traurig und und zugleich fröhlich“, sagt Laura. Und nicht überall würden die Mexikaner diese auf Indios zurückgehende Tradition noch leben. Manche feierten lieber das amerikanische Halloween.

Eine Reihe von Mexikanern nutzen die Gelegenheit, um Landsleute in Kassel, die auch das Fest organisiert haben, wiederzusehen. Zu ihnen gehört Dolores Althoff aus Fritzlar, die mit Dolores Schipplick und Silvia Ratz aus Wolfsburg und weiteren Frauen mexikanische Spezialitäten am Stehtisch genießt. Mit dem Tag der Toten sei es ein bisschen wie mit dem Weihnachtsmann. Die einen glaubten tatsächlich daran, dass die Geister der Verstorbenen kommen, um mitzufeiern. Für die anderen sei das nur eine Tradition.

Die eigentümliche Mischung aus Frohsinn und Traurigkeit unterstrichen Noel Quiroz Sanchez, Tenor am Staatstheater Kassel, und die Sängerin Alejandra Ayala mit ihren Liedern. In den Gängen des Museums gab es Fotografien des Mexikaners Héctor Jesús Gutiérrez Rdrigez zu sehen. (pdi)

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