Als Glowesköppe fette Beute machten 

Früher waren zum Nikolausabend noch hunderte Kinder unterwegs

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Blick zurück: Eine Gruppe von Glöwessen im Jahr 1958 in der Kasseler Innenstadt. Rechts daneben ein Foto vom Kasseler Glowesabend im Jahr 1971.

Kassel. Der Glowesabend - immer am 6. Dezember - war bis vor zwei Jahrzehnten noch Großkampftag für den Nachwuchs in Kassel und Nordhessen.

Nach alter Tradition zogen hunderte verkleidete Kinder am Nikolausabend von Tür zu Tür, um in der Nachbarschaft und in Geschäften Süßes einzusacken. Wer Pech hatte, bekam nur Nüsse und Apfelsinen in den mitgebrachten Beutel gelegt. Heute ziehen nur noch wenige Kinder durch die Stadt.

Lexikonwissen:

Der Glowesabend im Regiowiki

Das Wort Glowes, auch Klowes, Klobes, Clobes genannt, leitet sich von „Klaus“ (Nikolaus) ab. Es handelt sich beim Glowesabend um einen so genannten Heischebrauch, den es unter anderen Namen auch in anderen Regionen Deutschlands gibt. Bei allen Heischebräuchen geht es um das Fordern oder Erbitten von Gaben. Als Gegenleistung wird ein Lied oder Vers vorgetragen. Während unser Glowesabend traditionell zu Nikolaus stattfindet, ziehen die Kinder in anderen Landstrichen zu Karneval, Erntedank oder an Neujahr um die Häuser.

Sowie die Verkleidungen mit den Jahren wechselten, sind auch die Sprüche Trends unterworfen. Nur wenige Glöwesse sind im Nikolauskostüm unterwegs. Viele tragen Masken und wirken damit eher wie kleine Bankräuber.

Erinnert an einen Raubüberfall: Maskierte Glöwesse in einer Metzgerei in Hofgeismar.

Schnell spricht sich am Nikolausabend unter den Glöwessen herum, bei welchen Familien und Geschäften es leckere Süßigkeiten gibt. Weil viele Kinder in den 1950er- und 1960er-Jahren in der Kasseler Innenstadt versuchten, Händler mehrfach am Abend um Süßes zu erleichtern, waren die Geschäftsleute damals dazu übergangenen, Stempel zu verteilen. Ein wirksames Kontrollsystem. Einige forderten seinerzeit sogar, „die Bettelei“ der Glöwesse abzuschaffen. Dazu kam es nicht. Allerdings ist die Tradition eingeschlafen. Kassels Kaufleute wollen das ändern. 

TYPISCHE KASSELER GLOWESSPRÜCHE: 

  • Ich bin der lange Jochen, un bete alle Wochen, hon weiter nix als Sauerkraut un abgeleckte Knochen. 
  • Ich bin nen armer Sack, un werde niemals satt. Min Herd is meistens uss, drum rückte mo was russ.
  • Ich bin die kleine Erika, ich komme aus Amerika. Ich komme aus Bonn und will was honn.
  • Ich bin nen armer Sünder, hon 99 Kinder, und eine böse Frau, die schlägt mich blitzeblau.

Auf Facebook haben wir gefragt, welche Glowessprüche Sie kennen.

Kommentare

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