Das Vier-Farbensystem sorgt für Ordnung

Frühjahrsputz: Wie Sie am besten vorgehen - und was viele oft falsch machen

+
Streifenfrei sauber: Fenster sollten geputzt werden, wenn keine Sonne scheint.

Kassel. Mit dem Frühling soll auch die Wohnung in neuem Glanz erstrahlen. Wir erklären, was gegen den Muff in den vier Wänden hilft - und räumen mit den größten Mythen rund ums Putzen auf.

Die Sonne kitzelt in der Nase und lockt die Menschen wieder nach draußen. Was beim Putzen beachtet werden sollte, erklärt Hauswirtschaftsmeisterin Elke Meyer im Interview.

Frau Meyer, wieso macht man ausgerechnet im Frühjahr einen ordentlichen Hausputz?

Elke Meyer: Man soll alles aussortieren, was sich über die Winterzeit angesammelt hat und verstaubt wirkt. Die Zeit zwischen November bis Januar und Februar ist eher eine trübe Zeit. Da sollte man im Frühjahr alles neu und frisch machen. Menschen haben wieder mehr Energie und Elan. Allein wenn man die Blumen sieht, hat man viel mehr Lust, alles neu und frisch zu machen.

Was sollte beim Frühjahrsputz beachtet werden?

Elke Meyer

Meyer: Erst mal ein bisschen entrümpeln. Die Sachen, die zu zu trist sind, werden weggeräumt. Was nicht mehr gebraucht wird, sollte entsorgt werden. Erst nach dem Entrümpeln sollte mit dem Putzen begonnen werden. Und zwar von oben nach unten. Das heißt, man fängt oben an den Schränken oder bei den Gardinen an, bis man zum Schluss beim Fußboden ankommt. So wird nichts wieder schmutzig, was gerade geputzt wurde. Dabei sollte alles so richtig abgewaschen werden: von der Fliese bis in die kleinste Ecke oder Schublade. 

Wie sollte räumlich vorgegangen werden?

Meyer: Ich würde im Wohnzimmer anfangen. Dann würde ich mit dem Schlafzimmer weitermachen. Küche und Bad werden ja sowieso jeden Tag geputzt.

Welche Stellen werden beim Großputz häufig vergessen, sind aber eigentlich besonders wichtig?

Meyer: Vergessen werden häufig die Türen und Schränke. Die müssen mal ausgeräumt, ausgewaschen und wieder eingeräumt werden. Heizkörper müssen geputzt werden. Toiletten sollten auch außen ordentlich abgewischt werden. Das sind viele Dinge, die man im Winter nur für die Sicht macht.

Wie ist das mit einer Vorratskammer - sollte die auch ausgeräumt und sortiert werden?

Meyer: Auf jeden Fall. Denn dort steht alles, was über das Jahr hinweg einfach reingestellt wird. Lebensmittel sollten auf die Haltbarkeit überprüft werden. Das, was bald abläuft, sollte vorne im Regal stehen. Vorher muss natürlich auch dort alles ausgewaschen werden.

Wie sollte der Großputz vorbereitet werden? 

Meyer: Man sollte versuchen, das alles ohne Stress zu machen. Einen ganzen Tag vornehmen, an dem man Zeit hat. Dann sollte jedes Zimmer nach und nach gereinigt werden. Und wenn man nur einen Raum schafft, dann ist das auch okay. Was viel Spaß macht: mit Musik putzen. Das treibt an.

Hat man sich einen festen Tag ausgesucht, sollte man schauen, ob alle Lappen, Schwämme und Bürsten vorhanden sind. Sind alle Putzmittel da oder wird noch etwas benötigt? Das sollte vorbereitet werden, damit am Putztag nicht noch eingekauft werden muss.

Außerdem sollte man sich nicht zum Putzen zwingen. Ich sollte schon Lust haben, das zu machen. Sonst wird es nicht vernünftig. Deshalb auch einen Raum nach dem anderen vornehmen.

Kann man Kinder in den Frühjahrsputz miteinbeziehen? Macht es Sinn, mit ihnen einen Putzplan aufzustellen?

Meyer: Das kommt drauf an, wie willig die Kinder sind. Ein Putzplan macht aber Sinn. Die können ja in ihrem Zimmer anfangen. Es reicht ja schon, wenn sie den Boden aufräumen, damit man dann Staubsaugen kann. Und je älter sie werden, desto mehr sollten sie einbezogen werden.

Welche Putzmittel sollten immer parat sein?

Meyer: Ich arbeite viel mit Allzweckreiniger. Den kann man fast überall einsetzen. Es ist wichtig darauf zu achten, wie stark die Verschmutzung ist und ob ein Mittel einwirken muss. Scheuermittel kann man für hartnäckigen Schmutz, Essig- und Zitronenreiniger für Kalkablagerungen und Toilettenreiniger gegen Urinstein nutzen. Aber dennoch sollte darauf geachtet werden, dass nicht zu viele chemische Mittel genutzt werden.

Welche Putzutensilien werden gebraucht? Sollte für jeden Raum ein eigener Lappen genutzt werden?

Meyer: Es wäre angebracht, für jeden Raum einen eigenen Lappen zu haben. Dafür gibt es das Vier-Farbsystem. Für die Toilette sind rote Tücher und Schwämme geeignet, für das Bad gelbe Tücher, für die Küche grüne Putztücher und für Wohn- und Schlafzimmer blaue Tücher. So können die Lappen nicht verwechselt werden. Ich finde Microfaser-Tücher sehr schön zum Putzen. Außerdem sollte zwischendurch das Wasser gewechselt werden. Sonst trägt man den Dreck von einer Ecke in die andere.

Gibt es Hausmittel, die gegen Verschmutzungen helfen?

Meyer: Der Wasserkocher kann beispielsweise mit Essig oder Zitrone entkalkt werden. Das Wasser muss dann mit einer Scheibe Zitrone einfach nur aufgekocht werden. Kaffeekannen kann man mit Backpulver reinigen. Das lässt man etwas einwirken und bürstet es anschließend mit einer Küchenbürste aus.

Zur Person

Elke Meyer (52) ist seit 17 Jahren Hauswirtschaftsmeisterin. Beim Hausfrauenverband Kassel bildet sie Hauswirtschafterinnen aus. Gemeinsam mit der IHK verhelfen sie Menschen zum Wiedereinstieg in den Beruf. Sie ist 1.Vorsitzende des Hausfrauenverbandes. Meyer lebt in Naumburg.

Der Boden zuletzt: Wer von oben nach unten putzt, geht sicher, dass am Ende alles sauber ist.

Die sieben größten Mythen rund um das Putzen

Bevor es mit dem Frühjahrsputz losgehen kann, sollte noch mit einigen Mythen aufgeräumt werden. Die Plattform Helpling, auf der Putzkräfte gebucht werden können, hat dazu einige Mythen zusammengefasst

  • Je mehr es schäumt, desto besser wirkt der Reiniger: Falsch. Zu viel Schaum verhindert, dass sich die Textilfasern des Lappens bewegen. Dadurch kann sich der Schmutz nicht optimal lösen. Deshalb sollte auf die empfohlene Dosis geachtet werden.
  • Staubwischen am besten mit einem feuchten Tuch: Falsch. Da Feuchtigkeit Staubpartikel magisch anzieht, eignet sich ein trockenes antistatisches Tuch besser als ein nasser Lappen. Saubere Schränke können zusätzlich mit einer Mischung aus Wasser und einem Tropfen Weichspüler poliert werden. Das wirkt antistatisch und imprägnierend.
  • Der Schwamm ist das schmutzigste Putzutensil: Falsch. Wärme, Feuchtigkeit und Essensreste lassen den Schwamm mit zehn Millionen Bakterien lebendig werden. Doch auch der Mop zieht Bakterien an - etwa eine Milliare pro zehn Quadratzentimeter. Deshalb sollte der Lappen nach jedem Wischen bei 60 Grad ohne Weichspüler gewaschen werden.
  • Waschmaschine reinigt sich selbst: Falsch. In der Maschine bleibt immer Wasser zurück, das nur schwer verdunstet. Sie ist so der perfekte Ort für Bakterien. Das hilft gegen Kalk und Keime: 50 Gramm Natron in die Trommel geben und 50 Milliliter Essigessenz in das Pulverfach füllen und die Maschine ohne Wäsche einmal bei 60 Grad laufen lassen.
  • Gummihandschuhe schützen vor Keimen: Falsch. Schwitzt man beim Putzen oder gelangt Wasser in die Handschuhe, entsteht eine Umgebung, in der sich Keime und Bakterien gut vermehren können. Um Feuchtigkeit zu vermeiden, vor jeder Benutzung Mehl in die Handschuhe streuen. Nach dem Putzen sollten sie umgedreht an der Luft trocknen.
  • Staubsaugerbeutel erst austauschen, wenn er voll ist: Falsch. Bereits kleine Mengen Staub reduzieren die Saugkraft, Essensreste zersetzen sich schneller in der warmen Umgebung des Beutels. Das führt zu bitterem Geruch. Deshalb sollte der bei täglichem Staubsaugen nach sechs bis acht Wochen gewechselt werden.
  • Bakterien sterben in der Gefriertruhe ab: Falsch. Bakterien ruhen bei bis zu Minus 18 Grad, fangen bei wärmeren Temperaturen aber wieder an zu arbeiten. Um das zu verhindern, sollte das leere Eisfach mit Handtüchern ausgelegt und über Nacht abgetaut werden. Anschließend die Flächen mit Essigreiniger auswischen.

Dieser Artikel ist bereits auf HNA Sieben erschienen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.