Das milde Winterwetter sorgt für Verwirrung in der Natur

Wetter verrückt: Frühlingsluft und die Vögel balzen schon

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Der Herkules, malerisch umrahmt von kahlen Ästen: Wer sich dieser Tage auf einen Waldspaziergang um Kassel begibt, der sollte besser Regen- statt Schneestiefel anziehen.

Kassel. „Die Bäume dürfen nicht zu früh Frühlingsluft schnuppern, sonst regt das deren Stoffwechsel an, was bei später folgender Kältephase zu massiven Schäden führen kann“, sagt Uwe Zindel, Forstamtsleiter im Landesbetrieb Hessen-Forst.

Besonders im Hinblick auf die vielen jungen Baumkulturen rund um Kassel schauten die Forstwirte mit Sorgen auf das Wetter.

So sah es vor einem Jahr aus: Die HNA veröffentlichte am 4. Januar 2011 dieses stimmungsvolle Schneebild, das Fotograf Dieter Schachtschneider vom Herkules gemacht hatte.

Es herrschen schon frühlingshafte Temperaturen. Der Deutsche Wetterdienst stellte für 2011 einen der fünf mildesten Dezember seit Beginn der Messungen fest. Er war zu warm und viel zu nass. „Es wäre schön, wenn wir bald eine Frostphase bekämen“, sagt Zindel. Zurzeit sei die Hauptzeit für den Holzeinschlag. Zwar würde in den Wäldern um Kassel schon kräftig gesägt, allerdings müsse man sich mit dem Holz-Rücken zurücknehmen. Der Waldboden sei zu weich und feucht. „Das Rücken würde im Moment zu große Schäden anrichten, wir müssen warten.“ Wirtschaftliche Nachteile und Probleme in der Sägeindustrie seien nicht ausgeschlossen.

Das milde Wetter hinterlässt in der Natur bereits Spuren. In der Vogelwelt sorgen die teils zweistelligen Temperaturen für ein frühes Balzverhalten, erklärt der Vogelexperte Burkhard Dux aus dem Landkreis Kassel. „Durch das größere Futterangebot halten sich Vögel, die am Waldrand leben, weniger in der Nähe bereitgestellter Futterplätze auf.“ Zugvögel kämen aber nicht früher aus ihren Winterquartieren zurück. „Allerdings zogen die Kraniche im Herbst später ab als sonst.“

Für Rehe ist es zu warm

Auch für die Rehe im dicken Winterfell sei es zu warm, sagt Zindel. Sie haben ihren Kreislauf heruntergefahren. Die frühlingshaften Temperaturen könnten unter anderem bewirken, dass der Nachwuchs der trächtigen Rehe zu schnell wächst und zu früh zur Welt kommt. Das ist ebenso gefährlich wie zu früh gelegte Eier bei den Vögeln, wenn es im März noch einmal frostig wird.

Auf den Feldern der Landwirte fördere die Milde die Entwicklung der Pflanzen, sagt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel. „Im Sommer wurde der Weizen spät ausgesät, der jetzt aufgeht.“

Bei milden Temperaturen kämen aber Schädlinge wie Mäuse besser durch den Winter, sagt Schaumburg. Regen sorge hingegen dafür, dass die Ungezieferpopulationen, etwa die der Borkenkäfer, zurückgingen. (chr/che)

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