Ungedecktes Konto und geprellte Zeche: Amtsgericht verurteilt 39-Jährigen wegen Betrugs

Frustkäufe bringen Koch ins Gefängnis

Kassel. Keine anderthalb Jahre ist es her, da hatte der Angeklagte vor dem Kasseler Amtsgericht noch treuherzig seinen Willen zur Läuterung bekundet. „Es kommt bestimmt nicht wieder vor“, hatte der Gudensberger beteuert. Seine zweite Verurteilung wegen Betrugs, versprach er damals, sollte nun wirklich die letzte sein. Doch sie wurde es nicht: Am Mittwoch saß der 39-Jährige wieder auf der Anklagebank, weil er mit einer ungedeckten EC-Karte eingekauft und in Hotels die Zeche geprellt hat. Und wieder wurde er vom Amtsgericht ins Gefängnis geschickt.

Für vier Jahre insgesamt muss der gelernte Koch nun sein Handwerk, das er einst an guten Kasseler Restaurant-Adressen ausübte, in der Knastküche der Wehlheidener JVA verrichten: Zu den 34 Monaten Freiheitsstrafe aus seinen ersten beiden Betrugsprozessen kamen mit dieser dritten Verurteilung 14 weitere Monate hinzu. Denn es war eben doch wieder passiert – das Leben über die Verhältnisse, das Betrügen.

Verzweiflungstaten

„Das zieht sich bei Ihnen wie ein roter Faden durch“, sagte Richter Leyhe. „Keine Taten von großer Raffinesse, sondern eher Verzweiflungstaten.“ Seine früheren Verurteilungen hatte der Angeklagte dafür kassiert, dass er einen Kaufvertrag über einen 45 000 Euro teuren Audi TT abgeschlossen hatte, ohne zahlen zu können oder zu wollen. Und dass er fast 50-mal mit seiner EC-Karte eingekauft hatte, obwohl sein Konto das schon lange nicht mehr hergab.

Mode und Hotels

Diesmal hatte er sich für 750 Euro bei einem Modegeschäft eingekleidet und war das Geld schuldig geblieben. Und er hatte tagelang in vier Hotels in Kassel und Baunatal logiert und dabei offene Rechnungen von insgesamt rund 2000 Euro hinterlassen. Alles jedoch unter seinem richtigen Namen – und damit in der Gewissheit, früher oder später aufzufliegen.

„Ich habe gar nicht versucht, irgendetwas zu vertuschen“, sagte der 39-Jährige. „Im Endeffekt habe ich mir gar keine großen Gedanken gemacht.“ Von „Frustkäufen“ spricht der Mann, von seiner Scheidung vor fünf Jahren, die er bis heute nicht verarbeitet habe, von Depressionen. Und in die Hotels sei er geflüchtet, nachdem sich auch seine neue Freundin von ihm getrennt habe. „Ich habe einfach meine Tasche gepackt und in dem Moment gar nicht begriffen, was ich da mache.“ Zum Nachdenken sei er erst gekommen, als er im Oktober 2009 festgenommen wurde. Seitdem sitzt der 39-Jährige hinter Gittern – und findet das gar nicht so schlecht. „Draußen“ habe er nie mit jemandem über seine Probleme sprechen können. „Drinnen“ hofft er auf eine psychologische Behandlung.

Von Joachim F. Tornau

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