Selbstversuch

Führerscheintest nach 15 Jahren: Hätten Sie bestanden?

Die Führerscheinprüfung liegt für die meisten Autofahrer schon etliche Jahre zurück. Wir wollten wissen, ob ein routinierter Fahrer sie noch einmal bestehen würde. Mit dem Tüv Hessen versuchte sich unser Autor an der theoretischen und praktischen Prüfung.

Kassel. Wenn Tüv-Mitarbeiter Witze machen, bleiben sie verdammt ernst: „Sie wissen schon, dass Ihr Führerschein bei Nichtbestehen weg ist?!“, sagt Boris Hermes am Telefon. Der Niederlassungsleiter des Tüv Hessen lässt mich kurz an meinem Vorhaben zweifeln, mich erneut der Prüfung zu stellen. In meinem Fall ist die richtige 15 Jahre her und mein Flensburger Punktekonto noch jungfräulich.

Theoretischer Test am Bildschirm: Boris Hermes, Niederlassungsleiter des Tüv Hessen, erläutert HNA-Redakteur Bastian Ludwig, wie der elektronische Test funktioniert.

Obwohl diesmal nur meine Ehre auf dem Spiel steht, habe ich feuchte Hände, als ich vor dem Prüfungsraum des Tüv an der Knorrstraße stehe. Auf die Theorieprüfung habe ich mich nicht vorbereitet, denn ich will ja wissen, ob ich mit meinem Wissen aus der Praxis heute noch bestehen würde.

Keine Papierbögen mehr

Statt vor den alten Papierbögen nehme ich an einem Computer Platz. Bevor es losgeht, versetzt mir der Prüfer einen Dämpfer: Ohne Vorbereitung werde es schwer. Die meisten Führerscheinbesitzer würden durchfallen, wenn sie den Test noch einmal machen sollten. Jetzt ist mein Ehrgeiz angestachelt. Nacheinander tauchen 30 Fragen auf dem Bildschirm auf.

Ich fühle mich in die miefige Fahrschule zurückversetzt, in der ich damals büffelte. Ich sitze vor Fragen, deren Sinn sich mir oft erst nach mehrfachem Lesen erschließt. „Wann dürfen Sie diese Leitlinie überfahren?“ steht unter einem Bild. Was um Gottes willen ist eine Leitlinie? Ich tippe, der Mittelstreifen ist gemeint und sollte recht behalten.

Nicht recht behalte ich mit meiner Vermutung, dass ein fünfjähriges Kind auch ohne Kindersitz im Auto mitfahren darf – zum Glück für das Kind bin ich noch kein Vater. Richtig wäre gewesen ab 13 Jahren. Auch bei Fragen zur Lkw-Beladung komme ich ins Schleudern und fliege bei der Theorie am Ende aus der Kurve. 15 Fehlerpunkte, mit bis zu 10 hätte ich bestanden. Bei maximal möglichen 110 Fehlerpunkten verbuche ich die Niederlage als Beinahe-Sieg.

Es wurde gefilmt: Auf HNA-Online findet sich ein Video von der praktischen Fahrprüfung.

„Normalerweise dürfen Sie ohne bestandene Theorieprüfung zur Praxisprüfung nicht antreten“, sagt Hermes. Für diesen Test macht er eine Ausnahme. Mit einem Prüfer geht’s ins Auto. Während der Fahrt ist es still, ich spüre die Augen im Nacken. Im Rückspiegel sehe ich, dass sich der Prüfer etwas notiert. Kein gutes Zeichen. Als auf der Frankfurter Straße eine Fußgängerampel auf Gelb springt, bin ich einige Meter davon entfernt. Gas oder abrupt bremsen? Ich wähle das Gaspedal. Keine gute Wahl, wie mir der Prüfer nachher mitteilen wird.

Ebenfalls keine gute Entscheidung war es, hinter der Baustelle an der Fünffensterstraße anzunehmen, ich dürfte wieder 50 fahren. Denn Tempo 30 wird erst 100 Meter später aufgehoben. Dabei fühle ich mich mit 50 schon als Spaßbremse im Stadtverkehr.

Am Ende weiht mich der Prüfer in seine Notizen ein: Die Vielzahl kleiner Fehler hätte zum Nichtbestehen geführt. Etwas Trost hat er auch: Das Seitlich-rückwärts-Einparken sei vorbildlich gewesen.

Die Fahrfehler

Nach der praktischen Fahrprüfung hatte der Prüfer vom Tüv Folgendes zu bemängeln:

Hintergrund: In Hessen fallen nur wenige durch

2012 nahmen 106.000 Hessen an theoretischen und praktischen Führerscheinprüfungen teil. 23,6 Prozent sind an der Theorie gescheitert, bei der Praxis waren es 20,6 Prozent. Beides ist deutschlandweit die niedrigste Quote. Im deutschen Schnitt schafften 29 Prozent die Theorie und 26 Prozent die Praxis nicht.

- Spurwechsel ohne ausreichendes Absichern (nicht genügend Schulterblick und Spiegelbeobachtungen). Auch beim Befahren der Straßenbahnschienen.

- Geschwindigkeit mehrere Male um wenige km/h überschritten. Nicht versuchen, sich dem fließenden Verkehr anzupassen!

- Oft zu spät Blinker gesetzt.

- Beim Vorbeifahren an am Fahrbahnrand abgestellten Autos nicht immer Blinker gesetzt.

Was wissen Sie heute noch? Einige Fragen des Führerscheintests 2014

Wie steht es um Ihr theoretisches Wissen zur Führerscheinprüfung? Hier einige Fragen (Mehrfachantwort möglich). Lösungen unten.

Auf nebeneinander liegenden Fahrstreifen für eine Fahrtrichtung endet ein Fahrstreifen. Sie befinden sich auf dem nicht durchgehend befahrbaren Fahrstreifen. Welches Verhalten ist richtig? 

a.) Erst unmittelbar vor Beginn der Verengung im Reißverschlussverfahren einordnen.

b.) Unmittelbar nach dem ersten Hinweis auf die Fahrbahnverengung in den durchgehend zu befahrenden Fahrstreifen einordnen.

c.) Beim Einordnen in den durchgehenden Fahrstreifen stets zuerst fahren.

Sie fahren 50 km/h und haben eine Sekunde Reaktionszeit. Wie lang ist der Reaktionsweg nach der Faustformel?

Lösung siehe unten

Worauf müssen Sie sich bei diesem Verkehrszeichen einstellen? Darauf, dass 

a.) auf der Fahrbahn Wintersport betrieben wird.

b.) auf der Fahrbahn Schnee- oder Eisglätte herrscht.

c.) Wintersport nur auf den Gehwegen stattfindet.

Sie sind mit einem Reifen heftig gegen ein hartes Hindernis gefahren. Was müssen Sie tun? 

a.) Reifen und Felge umgehend überprüfen lassen.

b.) Die Radschrauben nachziehen.

Nässe kann die Wirkung von Trommelbremsen beeinträchtigen. Was ist zu tun? 

a.) Bremsflüssigkeit nachfüllen.

b.) Die Bremse vorsichtig trocken fahren.

c.) Die Bremse mehrfach im Stand betätigen.

• Auf der folgenden Internetseite (Menüpunkt Quiz) können Sie sich an weiteren Fragen des Tests versuchen: www.fahrerlaubnis.tuev-dekra.de

Lösung: 1 Frage (a), 2. Frage (15 Meter), 3. Frage (a und b), 4. Frage (a), 5. Frage (b)

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