Fünf Jahre Haft für Stiche auf Ex-Freund der Schwester

Kassel. Versuchter Mord war es nach der Überzeugung des Landgerichts nicht. Die 10. Strafkammer verurteilte den 20-jährigen Kasseler, der im Sommer 2013 einen 34-jährigen Vellmarer mit Messerstichen schwer verletzt hatte, wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Köperverletzung.

Und zwar zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren, außerdem muss er 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

„Wir sind beide Opfer von etwas, das nicht stimmt“, hatte der 34-Jährige am ersten Verhandlungstag gesagt. Das Gericht sah es nach einer langwierigen Beweisaufnahme ähnlich. Der Angeklagte sei von der Annahme ausgegangen, seine Schwester sei von dem 34-Jährigen vergewaltigt worden. In der kurdischen Familie, aus der die beiden kommen, galt das als Verletzung der Ehre, die der Angeklagte mit seiner Tat wieder habe herstellen wollen, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der 34-Jährige hatte eine kurze Liebesbeziehung mit der 17-Jährigen Schwester des Angeklagten begonnen. Von dieser Beziehung muss die Familie erst erfahren haben, als sie beendet war. Da kam das Gerücht auf, der 34-Jährige habe die 17-Jährige in seiner Wohnung festgehalten und geschlagen. Dafür fand das Gericht keine Anhaltspunkte. Die Anklage war von versuchtem Mord ausgegangen, das Gericht ging jedoch zu Gunsten des Angeklagten davon aus, dass er nicht aus einem „niederen Beweggrund“, sondern in der Überzeugung gehandelt hat, seine Schwester sei vergewaltigt worden.

Die Zugehörigkeit zu einem Kulturkreis, in dem Gewalt als Art der Konfliktlösung traditionell verankert sei sowie die Nähe des Angeklagten zu seiner Schwester sprechen aus der Sicht des Gericht gegen einen niederen Beweggrund, der ein Kriterium für die Einstufung als Mordversuch gewesen wäre.

Der 34-Jährige war vor seiner Wohnung nach eigenen Angaben von zwei Männern geschlagen, getreten und niedergestochen worden. Das Gericht war überzeugt, dass beide Täter mit Messern ausstaffiert waren und auch zugestochen haben. Die Identität des zweiten Täters wird wohl im Dunkeln bleiben. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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