Fünf Jahre für Mordversuch - Messerstecher aus Algerien bleibt in Haft

Kassel. Mit einem Paukenschlag ist der Prozess gegen einen vermutlich 21 Jahre alten Mann aus Algerien zu Ende gegangen.

Wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn die 6. Strafkammer des Landgerichtes zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Die Anklage hatte den ursprünglichen Vorwurf des versuchten Totschlags aufgegeben und auf drei Jahre und drei Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Die Verteidigung forderte gar nur vier Wochen Jugendarrest.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Volker Mütze hingegen kam zu einer völlig anderen Bewertung des Geschehens Anfang September 2014 in der Jägerstraße. Dort, so Mütze, war der Angeklagte mit einem körperlich weit überlegenen Mann aneinandergeraten, bei dem er den Kürzeren gezogen hatte. Ein weiterer Mann hatte schlichtend eingegriffen und den jungen Algerier festgehalten, während der erste sich entfernte. Mit seinem Messer verletzte der Angeklagte den Schlichter, kam frei, verfolgte seinen Widersacher und stieß ihm von hinten sein Messer sieben Zentimeter tief unter die Rippen. Damit seien die Mordmerkmale der Heimtücke und der Arglosigkeit des Opfers erfüllt, der Angeklagte habe dessen Tod billigend in Kauf genommen, erklärte Richter Mütze.

Für eine zweite Messerstecherei am Martinsplatz Ende Oktober, bei der ebenfalls zwei Männer durch Messerstiche des Angeklagten leicht verletzt worden waren, wurde er freigesprochen. Hier sah die Kammer den Tatbestand der Notwehr erfüllt, weil der junge Mann von drei bis vier Angreifern und mit einem Schlagstock attackiert worden war. Wegen einer Borderline-Störung, die ihn impulsiv und aggressiv handeln lässt, wies die Kammer ihn in eine psychiatrische Klinik ein. Bis dahin bleibt er in der JVA in Haft.

Ins Strafmaß eingeflossen sind außerdem Drogenbesitz, Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Schwarzfahren.

Der Urteilsbegründung lauschte der junge Mann mit zunehmender Gereiztheit. Immer wieder fiel sein Blick auf die Uhr, über den Dolmetscher ließ er ausrichten, er wolle sich das nicht länger anhören, was Mütze allerdings nicht gelten ließ.

Der Angeklagte ist 1994 in Algerien, möglicherweise aber auch schon 1992 in Tunesien geboren. 2008 floh er auf der Suche nach einem besseren Leben nach Italien, wurde später abgeschoben und kam während der Unruhen des Arabischen Frühlings in Tunesien 2011 über Lampedusa zurück nach Europa. Nach drei Jahren in Frankreich reiste er nach Deutschland, um sich hier eine Zukunft mit eigener Familie aufzubauen. Doch innerhalb kurzer Zeit war er wohl infolge seiner Persönlichkeitsstörung in die Kriminalität abgerutscht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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