Wenn Väter nicht zahlen konnten oder wollten

Fünf Millionen Euro: Jugendamt zahlte für 2700 Kinder Unterhalt

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Kassel. Fünf Mio. Euro zahlten Stadt und Landkreis Kassel vergangenes Jahr für 2700 Kinder, deren Väter keinen Unterhalt zahlen konnten oder wollten. Weil ihre Kassen leer sind, wollen die Kommunen nun beim Kindesunterhalt so selten wie möglich für säumige Väter einspringen.

Zuletzt ist es den Vorschusskassen auch gelungen, einen größeren Anteil geleisteter Vorschüsse von den Erziehungsberechtigten zurückzufordern.

2012 zahlte die Stadt in 1500 Fällen und der Kreis in 1200 Fällen Unterhaltsvorschuss, der für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr gewährt wird (133 Euro monatlich bis 6 Jahre, 180 Euro von 6 bis 12 Jahre). Das Geld wird aber maximal sechs Jahre gezahlt.

„In 98 Prozent sind es Männer, für die wir in Vorleistung gehen“, sagt Norma Kirst-Strauß vom Jugendamt der Stadt. Nur ein Bruchteil des Geldes lässt sich wieder zurückholen. „In etwa 65 Prozent gibt es nichts zu holen, weil die Väter Hartz-IV-Bezieher oder Geringverdiener sind“, sagt Kirst-Strauß.

Dennoch konnte die Stadt 2012 über 15 Prozent (2010: elf Prozent) der Ausgaben wieder eintreiben - in etwa 100 Fällen mit Hilfe des Gerichtes. In Einzelfällen wurden Väter sogar in U-Haft genommen, um die Forderung durchzusetzen. Dadurch flossen von den gezahlten 2,9 Mio. Euro Vorschuss 440.000 Euro zurück.

Der Kreis hat für seine gezahlten 2,1 Mio. Euro sogar einen Rückfluss von 26 Prozent erreicht. Nur ein Drittel der Summe geht zu Lasten von Stadt und Kreis. Den Rest übernehmen Bund und Land. Doch die Kommunen tragen allein die Personal- und Sachkosten für die Vorschusskassen.

Dass der Kreis mehr Erfolg beim Zurückfordern hat, erklärt die Stadt damit, dass säumige Väter auf dem Land stärker sozialer Kontrolle ausgesetzt seien. Im Landesschnitt liegt die Rückholquote bei 20 Prozent.

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