Heinrich-Schütz-Schule bietet Mini-Praktika an – Projekt ist hessenweit einzigartig

Für fünf Tage in den Beruf

Raoul Gerhold

Kassel. Sich für den richtigen Beruf zu entscheiden, fällt vielen jungen Menschen nicht leicht. Umso wichtiger ist es, dass die Schulen die Phase der Berufsorientierung begleiten. Die Heinrich-Schütz-Schule (HSS) macht ihren Schülern ein besonderes Angebot: Bereits die Realschüler der Jahrgangsstufe 8 absolvieren ein fünftägiges Mini-Praktikum. In Hessen ist das Projekt einmalig.

Mikael Ayaz (16) und Fabian Dierl (14) haben ihr Praktikum bei Kassel-Wasser gemacht und dabei den Beruf der Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice kennengelernt. Beide waren von der Technik beeindruckt: „Wir haben viel über das Kanalsystem erfahren, zum Beispiel, dass es in der Stadt 840 Kilometer lang ist.“

Nicht allein Betriebe

Die Erfahrungen ihrer Mini-Praktika stellen die Schüler auf einem Berufsinformationstag in der HSS vor. Für ihren Stand haben Mikael, Fabian und Daniel nicht nur Plakate mit Informationen über den Betrieb, den Arbeitsalltag und die Berufe gestaltet, sondern auch ein Rohrsystem gebaut.

Der Clou: „Darin sind Fragen über den Betrieb versteckt, die man mit einer Inspektionskamera entdecken kann“, sagt Fabian. Auch Firmen und Institutionen wie die Polizei präsentieren sich an diesem Tag als Ausbildungsbetriebe. „Für uns ist das eine Chance, Nachwuchs zu finden“, sagt Arno Bauer von Kassel-Wasser. „Hier kommt man in Kontakt. Schon einige Mini-Praktikanten haben sich später beworben.“

Auch für Raoul Gerhold von Rappe Zahntechnik ist das Projekt eine gute Gelegenheit, nach den Fachkräften von morgen zu suchen: „Wir müssen aktiv werden. Die Bewerberzahlen sind in den vergangenen Jahren um zwei Drittel gesunken.“

Initiiert wurde das Projekt vor fünf Jahren von Friedrich Schröder, Abteilungsleiter für den Bereich Berufsorientierung an der HSS. „Es ist eine Chance, interessante Berufe kennenzulernen und zu schauen, ob das passen könnte. Zudem ist es sehr intensiv und strukturiert, sodass die Schüler mehr mitnehmen als in drei Wochen“, sagt er. Wichtige Bausteine des Konzepts: Kein Schüler muss alleine in den Betrieb gehen, sondern in kleinen Teams. „Das baut Hemmschwellen ab.“ In den Betrieben kümmern sich Azubis um sie. „Das sorgt für einen Dialog auf Augenhöhe.“

Von Helga Kristina Kothe

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.