Fünfeinhalb Jahre Haft für Attacke mit Steakmesser

Kassel. Das Gericht zeigte sich zur Milde bereit - zumindest nach dem Urteil. Es erlaubte dem Angeklagten, als alles vorbei war, sich von seiner Freundin zu verabschieden. Es wurde eine tränenreiche Umarmung.

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Und die letzte für lange Zeit: Weil er einen minderjährigen Drogendealer niedergestochen und ausgeraubt hat, wurde der 22-Jährige am Freitag vom Kasseler Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht die Unterbringung des Mannes, dem eine Psychiaterin Cannabis-Abhängigkeit bescheinigt hatte, in einer Entziehungsanstalt an.

„Wir sind nicht mehr beim Jugendgericht, wo nur ein bisschen ‚Du-du-du!’ gemacht wird“, sagte Strafkammervorsitzender Jürgen Stanoschek. Doch erst ein halbes Jahr vor der blutigen Tat im Tannenwäldchen hatte der Angeklagte seinen 21. Geburtstag gefeiert und damit den Geltungsbereich des Jugendstrafrechts ein für alle Mal verlassen. Während sein jugendlicher Mittäter beim Jugendrichter mit drei Wochen Dauerarrest davonkam, wartete auf den Angeklagten so die volle Härte des Strafgesetzbuchs.

„Im Mittelalter wurden Räuber geköpft!“

Und das droht, wenn bei einem Raubüberfall Waffen benutzt werden, mit mindestens fünf Jahren Gefängnis. Auch wenn derlei im Jugendjargon verharmlosend als „Abrippen“ bezeichnet werde, handele es sich um schwere Straftaten, betonte Stanoschek. „Im Mittelalter wurden Räuber geköpft!“

Der Angeklagte und sein Kumpel hatten im April 2010 bei einem damals 17-jährigen Drogendealer Marihuana für mindestens 300 Euro bestellt - mit dem Ziel, dem jungen Mann den Stoff gewaltsam abzunehmen. Bei der Übergabe schlug der 22-Jährige seinem Gegenüber zunächst unvermittelt ins Gesicht. Als es daraufhin zum Gerangel kam und die beiden Männer eine Böschung hinunterrollten, stach er zweimal zu - mit einem Steakmesser, das er eigens mitgebracht hatte. Wenn auch ursprünglich wohl nur zum Selbstschutz.

Der schwer verletzte 17-Jährige konnte sich danach zwar noch nach Hause flüchten. Aber nur dank einer fast zehnstündigen Notoperation blieb er am Leben. „Ohne die Kunst der Ärzte wäre er jetzt tot oder schwer behindert“, sagte Stanoschek. Er hielt dem Angeklagten, der die Tat weitgehend gestanden hatte, jedoch eine Mitschuld des Opfers zugute: „Ohne das Drogengeschäft wäre es so weit nicht gekommen.“

Das Gericht blieb darum unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre und sieben Monate Gefängnis verlangt hatte. In das Urteil floss eine kleine Geldstrafe wegen unerlaubten Führens einer Schreckschusspistole ein.

Ein weiterer Raubüberfall, bei dem der Angeklagte seinem Opfer mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen haben sollte, konnte ihm dagegen nicht nachgewiesen werden.

Von Joachim Tornau

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