Nach Einweihung des Bundespräsidenten

Selbert-Statue steht jetzt auf Scheidemannplatz

Denkmal für Elisabeth Selbert: Renate Matthei, Vorsitzende des Vereins „SI-Sisters – Soroptimist Kassel III – Elisabeth
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Denkmal für Elisabeth Selbert: Renate Matthei, Vorsitzende des Vereins „SI-Sisters – Soroptimist Kassel III – Elisabeth

Am Vormittag enthüllte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Statue von Elisabeth Selbert. Seit Dienstagnachmittag steht sie nun auf dem Scheidemannplatz. Unweit davon hatte die Politikerin und Juristin ihre Kanzlei.

Kassel – Ende des Tages stand die Statue von Elisabeth Selbert dort, wo sie nun für immer ihren Platz haben soll: auf dem Scheidemannplatz am Übergang zum Ständeplatz – und damit ganz in der Nähe von Selberts ehemaliger Kanzlei, die sich in der Königsstraße 42 befand. Die Skulptur der nordhessischen Bildhauerin Karin Bohrmann-Roth musste gestern aber noch einen kleinen Weg zurücklegen, um an den für sie vorgesehenen Ort zu kommen.

Das wiederum hatte mit dem Bundespräsidenten zu tun. Frank-Walter Steinmeier sollte die Statue nämlich während seines Besuchs in Kassel einweihen. Aus Sicherheitsgründen fand das Ganze aber vor dem Renthof statt – und damit an der Brüderkirche, in der Steinmeier während des Festaktes zum 125. Geburtstag von Elisabeth Selbert eine Rede hielt.

Als der Konvoi mit dem Bundespräsidenten um kurz nach 11 Uhr am Renthof vorfuhr, stand die Statue von Elisabeth Selbert also noch verhüllt am Eingang des Renthofs. Die Sonne schien, und auf dem Gehweg gegenüber hatten sich Frauen eingefunden, die auf Plakaten Elisabeth Selbert dankten. Es waren Frauen der Bewegung „Maria 2.0“, die für die Gleichberechtigung in der Kirche kämpfen, wobei sie gestern erst einmal dafür kämpfen mussten, um für ihr Anliegen kämpfen zu dürfen. Ein Polizist zweifelte die Rechtmäßigkeit ihrer kleinen Versammlung an. Er telefonierte dann hastig und überbrachte schließlich die frohe Kunde, dass er eine Eilerlaubnis für die Frauen erwirkt hätte.

Das schien ganz im Sinne des Bundespräsidenten zu sein. Als er aus seiner Limousine ausstieg, schaute er zu den Frauen und rief ein freundliches „Guten Morgen“ zu ihnen. Dann stellten er und seine Frau Elke Büdenbender sich neben die Statue von Elisabeth Selbert und vor die Fotografen und Kameraleute, die das Ereignis in Bildern festhalten wollten.

Da bei einem Besuch des Bundespräsidenten alles minutiös geplant ist, hätte es keinen verwundert, wenn auch die Sonne für diesen Augenblick vorbestellt worden wäre. Zumindest rückte sie nun die Szenerie ins beste Licht. Es passte zur Laune des Bundespräsidenten. Nachdem die ersten Fotos gemacht waren, scherzte Steinmeier: „So, das war es. Die Enthüllung ist dann nächste Woche.“ Einen Moment später entfernte er das gelbe Tuch über der Statue. Zu sehen war das Kunstwerk, das sogleich für Begeisterung sorgte. Elke Büdenbender rief „Bravo“, und Elisabeth Selberts Enkelin Susanne Selbert brachte zum Ausdruck, wie gut ihre Großmutter doch getroffen sei. Kommentar des Bundespräsidenten: „Wenn Sie das sagen, ist das eine Glaubwürdigkeit, die jede andere übersteigt.“

Auch während des Festaktes war die Skulptur Thema – in einer kleinen Gesprächsrunde, an der auch Kassels Ehrenbürgerin Eva Schulz-Jander teilnahm. Ihr Soroptimistenverein, benannt nach Elisabeth Selbert, hatte die Statue in Auftrag gegeben. Schulz-Jander sagte dazu: „Mit ihr wollen wir das Vermächtnis von Elisabeth Selbert ehren und auch größere Aufmerksamkeit auf sie richten in der Öffentlichkeit.“ Frauen seien im öffentlichen Raum schließlich kaum präsent. Dies sei nun ein Anfang. Denn: „Die Statue soll Mädchen, aber auch Jungen, Frauen und Männer ermuntern, sich einzumischen, sich politisch zu engagieren, zu kämpfen für Visionen.“ Vor allem: „Frauen müssen sichtbarer werden.“

Seit gestern Nachmittag steht die Skulptur nun auf dem Scheidemannplatz – für jedermann sichtbar. (Florian Hagemann)

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