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Glasfaser-Ausbau in Nordhessen: Für teure Technologie muss ein Investor her

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Von: Andreas Hermann

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Glasfaserkabel auf einer Baustelle
Glasfaserkabel auf einer Baustelle: Für den Ausbau der FTTH-Technologie in der Nordhessen suchen die Gesellschafter der Netcom und der Breitband Nordhessen GmbH gemeinsam nach einem finanzstarken Investor. © Sina Schuld/dpa

EAM, KVV und Landkreise bieten als Gesellschafter die Übernahme von Netcom Kassel und Breitband Nordhessen GmbH an.

Kassel – Die Versorgung der Region mit der bestmöglichen Glasfaser-Technologie sollen die Netcom Kassel (NCK) und die Breitband Nordhessen GmbH (BNG) einem anderen, vermutlich privatwirtschaftlichen Telekommunikationsunternehmen überlassen.

Zum Ausbau der Fiber to the home (FTTH)-Technik, bei der das Glasfaserkabel bis in die Dose der Wohnung und des Büros verlegt wird, suchen die Gesellschafter der Netcom und der Breitband GmbH gemeinsam nach einem Investor. Dieser soll nicht nur den FTTH-Ausbau in der Region, sondern gleich auch die kommunalen Unternehmen Netcom und die BNG mit deren rund 100 Beschäftigten übernehmen.

Seit 2016 ist die Netcom Kassel mit rund 35 000 Kunden und 90 Beschäftigten ein gemeinsames Unternehmen der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) und des regionalen Energieversorgers EAM. KVV und EAM halten als Gesellschafter jeweils einen Anteil von 50 Prozent an der Netcom.

Gesellschafter der 2014 gegründeten BNG, die ihr Büro in Kassel hat und vier eigene Mitarbeiter zählt, sind die fünf nordhessischen Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner. Auftrag der BNG ist der flächendeckende Breitbandausbau, sie fungiert dazu als Bauherrin und als Verpächterin der Infrastruktur an die Netcom als Netzbetreiber.

Nach KVV-Angaben haben Netcom und BNG in den vergangenen Jahren mit rund 180 Millionen Euro den FTTC-Ausbau (Fibre to the Curb) in den Kreisen vorangetrieben. Bei der FTTC-Technik endet das Glasfasernetz in Verteilerkästen. Gebäude werden mit herkömmlichen Kupferleitungen angebunden.

Der zunehmende Bedarf nach noch leistungsfähigerem Internet erfordere aber künftig eine flächendeckende FTTH-Versorgung, um die Attraktivität der Region als Wirtschaftsstandort langfristig sicherzustellen, betont die KVV. Die Technologie ist jedoch teuer. Um große Teile Nordhessens mit FTTH zu versorgen, sei ein hoher dreistelliger Millionenbetrag als Investitionsvolumen nötig.

Netcom und BNG sowie deren Gesellschafter sehen sich dazu offenbar nicht in der Lage. Hintergrund für die gemeinsame Investorensuche sei die enge technische und kaufmännische Verflechtung beider Unternehmen beim bisherigen Glasfaserausbau in Nordhessen. Infrastruktur, Technik und Vertrieb sollten in einer Hand bleiben, „um ein attraktives Gesamtpaket für potenzielle Interessenten zu bieten“, heißt es.

„Als lokal und regional agierende Unternehmen möchten wir unsere Mittel gezielt in die Energie- und Verkehrswende vor Ort investieren und uns auf unsere Hauptgeschäftsfelder konzentrieren. Auch vor diesem Hintergrund können wir die für den FTTH-Ausbau erforderlichen finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stellen“, erklären KVV und EAM in der gemeinsamen Stellungnahme. „Wir sind sicher, dass finanzstarke und überregional tätige Investoren das Potenzial erkennen“, betonen EAM-Geschäftsführer Hans-Hinrich Schriever und KVV-Geschäftsführer Michael Maxelon. Und dass diese Investoren die bereits gemeinsam mit der BNG geschaffenen Grundlagen für die FTTH-Aufrüstung nutzen werden.

„Die Netcom und die BNG haben durch ihre Arbeit und ihre Investitionen gute Voraussetzungen geschaffen, um Nordhessen auch in Zukunft mit schnellem Internet zu versorgen“, meinte dazu Winfried Becker, der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, als Vorsitzender der BNG-Gesellschafterversammlung.

Für die Kunden der Netcom würde sich im Falle eines Investoreneinstiegs nichts ändern, Verträge und Versorgung laufen wie gewohnt weiter, so die Gesellschafter. Die EU-weite Suche nach einem „finanzstarken und überregional tätigen“ Investor für Netcom und BNG soll bis zum Sommer abgeschlossen sein. (Andreas Hermann)

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