Wilde Gerüchte

Bau von Fulda-Anlegestelle: Soll hier ein Hausboot andocken?

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Neuer Bootsanleger entsteht am Zollmauerpark: Bauarbeiter setzen Hohlpfähle aus Metall, so genannte Dalben, in den Uferbereich der Fulda. An solchen massiven Verankerungen liegen auch große Boote sicher. Foto:  Koch

Unterneustadt. Seit Anfang der Woche hämmern Baumaschinen im Uferbereich der Fulda am Unterneustädter Zollmauerpark. Was Passanten von den Arbeitern aufschnappen, sorgt für Gesprächsstoff im Quartier: An den Metallpfählen, die in den seichten Ufergrund gesenkt werden, solle einmal ein Hausboot vor Anker gehen.

„Das haben wir auch gehört“, sagte Sprecher Jörg Wiegel vom gegenüber liegenden Regierungspräsidium. RP-Mitarbeiter seien beim Blick aus dem Fenster auf die Bauaktivitäten aufmerksam geworden und hätten sich gestern vor Ort erkundigt. Allerdings sei das RP weder Aufsichts- noch Genehmigungsbehörde für ein solches Vorhaben. Wiegel: „Das ist Sache der Stadt und des Wasser- und Schifffahrtsamts.“

Bei letzterer Behörde in Hann. Münden fällt die Auskunft knapp aus. Amtsleiterin Katrin Urbitsch bestätigte, man habe eine Genehmigung erteilt zum Einbau der Pfähle, „vor die irgendwann mal ein Schiff gelegt werden soll“. Ob es sich dabei um ein Hausboot handele, habe das Amt nicht zu prüfen. Sondern nur, ob ringsum genug Fahrweg und Platz für andere Wasserfahrzeuge bleibe.

Auskunft über den Auftraggeber wollten weder die Bauarbeiter noch das Schifffahrtsamt erteilen. Nach Recherchen der HNA bestätigte schließlich der Kasseler Diplomingenieur und Unternehmer Hans-Georg Grone, dass er den Liegeplatzbau beantragt und auch in Auftrag gegeben habe. Grone gab sich gesprächsbereit und zugleich zugeknöpft, was seine Pläne am Fuldaufer betrifft.

Was da entstehe, sei „ein Sportbootliegeplatz“, betonte er. In ein paar Jahren, wenn er Ruheständler sei, wolle er sich dort „wahrscheinlich mal ein Sportboot hinlegen“. Näheres sei noch völlig offen.

Auf die Frage, warum er dafür ein kompliziertes Genehmigungsverfahren anstrenge und nicht einfach einen Steg bei einem der zahlreichen Bootsklubs pachte, antwortete Grone: Er habe damit keine guten Erfahrungen gemacht, und das sei ihm auch „auf Dauer zu teuer.“ Warum er aktuell Geld in die Gründungsarbeiten am Unterneustädter Fuldaufer investiert, wenn sich dort nach seinen Worten auf absehbare Zeit gar nichts tun soll, klärte der Liegeplatz-Investor in dem Gespräch nicht auf.

Auch auf mehrfaches Nachfragen, ob seine Pläne in Richtung Hausboot gehen würden, gab es weder eine Verneinung noch eine Bestätigung. Statt dessen ausweichende Antworten: Es sei doch so, dass viele Kajütboot-Eigner mit Liegeplätzen an der Fulda in ihren Booten übernachten würden, sagte Grone. Er legte nahe, dass auch solche Sportboote gemeint seien, wenn von Hausbooten die Rede ist.

„Ich bin jemand, der nicht so gern über ungelegte Eier redet“, deutete Hans-Georg Grone an, dass seine Überlegungen womöglich doch nicht ganz so vage sind. Welche Vereinbarungen er mit der Unteren Naturschutzbehörde und weiteren Ämtern der Stadt Kassel hat, blieb am Mittwoch mangels Auskunft aus dem Rathaus einstweilen offen.

Hintergrund: "Das wäre ein Präzedenzfall"

„Ohne nähere Information durch die Stadt ist das schon ein dickes Ding“, sagte Anwohner Jörg Götzfried, dessen Flussgrundstück sich direkt neben dem entstehenden Liegeplatz befindet. Ihm hätten die Bauleute auf Nachfrage gesagt, „dass da ein Bootsanleger für die Öffentlichkeit entsteht“ und dass auf die Ufermauer noch ein fester Metallzaun komme, um ungebetene Gäste fernzuhalten. Falls dort tatsächlich ein Hausboot-Liegeplatz geschaffen werde, so Götzfried, „würde das ja Tür und Tor öffnen, das ganze Fuldaufer mit Hausbooten zu belegen“.

Von einem Präzedenzfall sprach ebenso der Unterneustädter Ortsvorsteher Joachim Schleißing: „Die Absicht, so etwas zu machen, gab es schon oft.“ Grundsätzlich hege er Sympathie für diese Wohnform auf dem Wasser. (asz)

Von Axel Schwarz

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