Fundstücke bei der KVG: Goldhamster und Gebisse

Da kommt viel zusammen: Im Betriebshof der KVG an der Sandershäuser Straße zeigt Pförtner Frank Wenzel ein Teil der Fundsachen, die binnen zweier Tage in Bussen und Straßenbahnen gefunden wurden. 80 bis 140 Artikel sind es jede Woche insgesamt. Foto:  Schwarz

Kassel. Haarteile und Haustiere, Instrumente, und Rollstühle: Was Fahrgäste in Kassels Bussen und Straßenbahnen so mit sich führen, wird irgendwann vergessen oder verloren.

Jede Woche sammeln sich je 40 bis 70 Fundstücke bei den KVG-Betriebshöfen in Wilhelmshöhe und an der Sandershäuser Straße an. Die Eigentümer können die Sachen dort bis zum Ende der jeweiligen Woche abholen - dann wandern sie zum städtischen Fundbüro.

„Es ist alles schon dagewesen“, erzählt Frank Wenzel, der seit 19 Jahren an der Pforte des KVG-Standorts Sandershäuser Straße Dienst tut. So sei ein vezweifelter Fahrgast tagelang auf der Suche nach seinem verlorenen Gebiss gewesen. Die KVG habe die Beißer auch gefunden, sie waren aber schon an die Stadt weitergegeben worden, sagt Wenzel und deutet auf ein paar Schrankfächer hinter ihm: „Wir haben hier so wenig Platz, wir können die ganzen Sachen nicht längere Zeit lagern.“

Nur bei etwa jedem siebten Stück melde sich der Verlierer. Sogar der Kühlschrank sei oft mit Fundsachen voll: Wenn Lebensmitteleinkäufe gefunden werden, hebt die KVG sie für kurze Zeit als Service auf. „Aber höchstens 24 Stunden“, sagt Wenzel, „normalerweise dürfen wir das gar nicht.“ Einmal sei in einer Tram ein Fünf-Liter-Eimer mit selbstgekochtem Eintopf stehen geblieben. „Da war wohl jemand auf dem Weg zu einer Party“, schätzt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

Allein in dem Bettenhausener KVG-Depot rücken 80 Straßenbahnen, 76 Busse und 28 Regiotrams teilweise mehrmals täglich ein und aus. Was das Reinigungspersonal nachts in den Fahrzeugen findet, landet in einem speziellen Container.  

„Wir wissen immer genau, wie das Wetter gerade ist“, sagt Pförtner Wenzel: An Regentagen blieben massenweise Schirme liegen, bei schönem Wetter viele Sonnenbrillen und Beutel mit Badesachen. Auch BHs und sonstige Unterwäsche tauchten immer wieder unter den Fahrgastsitzen auf - gelegentlich „auch einzeln und unverpackt“, schmunzelt der 55-Jährige.

Bestimmte sensible Fundsachen bringen die Fahrer auch direkt zur Pforte - etwa Brillen oder Mobiltelefone, die dann morgens im Pförtnerbüro unvermittelt im Chor zu dudeln anfangen. „Die Besitzer lassen sich wohl von den Dingern wecken“, ahnt Wenzel.

Gefunden werden immer mal auch tierische Passagiere, die von Herrchen oder Frauchen vergessen wurden und dann einsam bis zur Endstation gegondelt sind. Einen Wellensittich samt Käfig hat ein Fahrgast schon mal in der Tram stehen gelassen, ein offenbar gerade in der Zoohandlung gekaufter Goldhamster harrte in seiner Transportschachtel aus, bis ihn KVG-Mitarbeiter entdeckten. Für beide Haustierchen war dann das Tierheim die nächste Station.

Um einen Skalar, einen Aquarienfisch in seiner Transport-Plastiktüte, kümmerte sich ein kundiger KVG-Mitarbeiter selbst. Er taufte den Tram-Fundfisch auf den Namen Hugo und gewährte ihm Asyl im heimischen Aquarium.

Wer etwas in Bussen und Bahnen der KVG verloren hat, kann sich an die Pförtner der beiden Betriebshöfe wenden: an der Sandershäuser Straße rund um die Uhr, in Wilhelmshöhe täglich von 6 bis 16 Uhr. Telefonische Auskunft unter 0561/3089-0. Die Bearbeiter müssen wissen, wann mit welcher Linie gefahren wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.