Doppelt so viele Aktivisten wie im Vorjahr nahmen am Ostermarsch in Kassel teil

„Furcht vor Atom ist groß“

Kämpferisch: Erika Mohs (Frauen nach Tschernobyl) forderte den sofortigen Atomausstieg.

Kassel. Friedensaktivist Peter Strutynski war gestern mehr als zufrieden. „Das sind doppelt so viele Teilnehmer wie im vergangenen Jahr“, sagte er, kurz bevor die Kundgebung vor dem Rathaus begann. Er schätzte, dass 900 Kinder, Frauen und Männer beim diesjährigen Ostermarsch mitgemacht haben. Die Polizei ging von 750 Teilnehmern aus.

Die große Resonanz liege an der Atomkatastrophe in Japan, „dem Dauerbrenner in Afghanistan und dem Nato-Krieg in Libyen“, sagte Strutynski. „Wir haben viele Gründe, auf die Straße zu gehen. Die Furcht vor dem Atom ist groß.“

Engagiert und kämpferisch

Eine kämpferische Rede hielt Erika Mohs (Frauen nach Tschernobyl), die an die Atomkatastrophen von Hiroshima/Nagasaki, Tschernobyl und Fukushima erinnerte. „Alle Menschen dieser Erde leben mit einer permanenten Bedrohung. Die müssen wir bekämpfen.“ Die Atomlobby würde nach jedem Störfall versuchen, das Geschehene zu verschweigen und zu vertuschen, sagte Mohs. „Die Konzerne werden immer reicher und reicher. Wir Menschen werden angereichert mit Jod 131 und Cäsium 137.“

Den sofortigen Atomausstieg forderte auch Christine Hoffmann, Generalsekretärin der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. Sie verurteilte auch den Nato-Einsatz in Libyen, durch den es bislang 500 000 Flüchtlinge gebe und forderte einen sofortigen Waffenstillstand in Afghanistan.

Das will auch der SPD-Stadtverordnete Rabani Alekuzei. Er gehörte zu den Ostermarschierern, die vom Bebelplatz in die Innenstadt gezogen waren - eine andere Gruppe hatte ihre Demonstration am Schlachthof (Nordstadt) begonnen. Alekuzei hat mindestens ein Mal in der Woche Kontakt zu seinen Verwandten in Kabul. „Militärisch lässt sich der Konflikt in Afghanistan nicht lösen. Ansonsten wären die Sowjets erfolgreich gewesen“, sagte Alekuzei, der gestern zum 32. Mal an einem Ostermarsch teilnahm.

Auch das „Bündnis gegen Antisemitismus“ (BgA) ließ sich vor dem Rathaus blicken. Das Ordnungsamt hatte eine Gegendemonstration dieser Gruppe verboten. Mit israelischen Fähnchen machten die Aktivisten auf sich aufmerksam. Sie kritisieren die Ostermarschierer, weil diese durch ihre einseitige Sichtweise den Staat Israel diskreditierten.

BgA-Mitglied Jonas Dörge war mit anderen Aktivisten vor Ort, um die Reden auf anti-israelische Inhalte zu überprüfen. Nach der Kundgebung beschwerte sich Dörge über das Verhalten der Polizei. Ein BgA-Mitstreiter sei erkennungsdienstlich erfasst und von den Beamten eingeschüchtert worden. Und das ohne erkennbaren Grund.

Das Ende der Kundgebung hörten sich übrigens nur noch 150 Anhänger der Friedensbewegung an. Die Veranstaltung hatte sich sehr in die Länge gezogen. Man habe halt sehr viel zum Reden gehabt, erklärte Organisator Strutynski.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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