Gewerkschaft: Opas gegen Hooligans – Bundespolizei zu alt

Fußball-Fans machen Kassel zum Brennpunkt

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Fans auf Bahnhof trennen: Mit dem Start der Fußball-Saison ist die Bundespolizei wieder verstärkt im Einsatz, damit reisende Fans nicht aneinander geraten. Unser Archivbild zeigt einen Einsatz am Hauptbahnhof, als Anhänger von Eintracht Frankfurt auf dem Weg zum Auswärtsspie bei Hannover 96 waren.

Kassel. Wenn ab diesem Wochenende der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder rollt, hat bei den Sicherheitsbehörden die Saison längst begonnen. Ein Brennpunkt ist dabei Kassel als zentraler Bahn-Knoten, über den viele Fußball-Fans zu den Auswärtsspielen ihrer Klubs reisen.

Deswegen hat die Bild-Zeitung Kassel kürzlich zu einer der gefährlichsten Fußball-Städte erklärt. So kritisch sieht Rainer Paul, stellvertretender Leiter der für die Bahnsicherheit zuständigen Bundespolizeiinspektion Kassel, die Lage nicht. „Kein Normalreisender muss Angst haben einen Bahnhof zu betreten.“ Regional habe sich die Zahl der Straftaten von Fußball-Reisenden in der vorigen Saison kaum verändert. Allerdings nähmen Übergriffe bundesweit zu, sagt Paul.

Brisant wirkt auf den ersten Blick zum Beispiel die Konstellation am Samstag, 13. September, wenn Anhänger von fünf Vereinen über Kassel reisen und hier beim Umsteigen aufeinandertreffen könnten. Doch die Bundespolizei habe in Abstimmung mit Bahn und Deutscher Fußball-Liga verschiedene Ansatzpunkte wie Zugverlegungen oder Spielterminierungen, um brenzlige Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Immer häufiger stoße man bei der Einsatzplanung an Grenzen, so Reinhold Schuch, Vorsitzender der Bundespolizei-Kreisgruppe Kassel in der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Speziell in der Kasseler Inspektion mit 240 Beschäftigten sei der Altersschnitt von 50 Jahren zu hoch. Nicht selten seien problematische Fans 40 Jahre jünger. „Dann stehen sechs bis acht Opas auf dem Bahnsteig einer Gruppe von 150 gewaltbereiten Fans gegenüber, die um die 20 sind“, schildert Schuch das Extrem.

Engpässe beim Personal gebe es bundesweit. Insgesamt fehlten der Bundespolizei etwa 1200 Beamte, weil zu wenig eingestellt worden sei, sagt Schuch. „Die letzten fünf Jahre sind verpennt worden."

Von Claas Michaelis

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