Mit 80.000 Menschen im Stadion erlebt er Adrenalinfeeling

Vor dem WM-Finale: Kasseler Student reist zu allen großen Spielen

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Moment der Euphorie: Jonas Mand 2014 in Rio, als Deutschland Weltmeister wurde. 

Kassel. Für deutsche Fußball-Fans wurde es kein schöner WM-Sommer. Auch Jonas Mand ist enttäuscht über das frühe Aus des DFB-Teams. 2014 war er beim Triumph in Rio dabei. Porträt eines Verrückten.

Diese Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hatte sich der Kasseler Student Jonas Mand ein wenig anders vorgestellt. Damit ist er nicht alleine in diesem Land, dessen Nationalelf schon in der Vorrunde scheiterte. Was das Aus für Mand aber besonders macht: Er hätte den weiteren Weg des deutschen Teams vor Ort verfolgt – live in den Stadien. Denn: Für den Fall des Weiterkommens hatte er Karten. 

Aber, um mit dem Fußball-Philosophen Lothar Matthäus zu sprechen: Wäre, wäre, Fahrradkette. Das Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien findet ohne Deutschland statt – und damit ohne Mand. Der Fan des FC Bayern München erlebt insofern ein spezielles Finale dahoam.

So blöd das Ganze ist, für den 23-Jährigen aus Gudensberg ist es auch verkraftbar. Der Fußballreisende blickt bereits auf tolle Erlebnisse zurück – auf seine Touren mit den Bayern und der Nationalelf. So bereiste er während der vergangenen WM Brasilien; am Freitag war es vier Jahre her, dass er den Triumph der deutschen Nationalelf in Rio de Janeiro bejubelte. Ein Bild hat den Moment größter Euphorie festgehalten.

Eine Handvoll Erinnerungen: Jonas Mand ist als Fußballreisender schon herumgekommen – und war bei den wichtigen Spielen.

Mand verbindet mit diesen Augenblicken ein „Adrenalinfeeling“, wie er es nennt. „Ich bin dann einer von vielleicht 80.000 Menschen, die bei einem Ereignis sind, auf das alle blicken“, sagt er. Ganz nebenbei lerne er so die Welt kennen. Das ist nicht das Schlechteste für einen, der das Reisen zu seinen Hobbys zählt.

Die Leidenschaft für das Live-Erlebnis Fußball beginnt, als er acht Jahre alt ist – und das, obwohl seine Familie kaum Interesse hat an Fußball. Mit dem Bus geht es nach München zu den Bayern, bei denen damals noch Oliver Kahn im Tor steht. Seitdem ist Mand angefixt. Als Jugendlicher unternimmt er weitere Bustouren zu Spielen; er baut sich ein Netzwerk auf und weiß schnell, wie er auch an die begehrtesten Karten kommt.

Quelle: dpa/Glomex

Mittlerweile organisiert er die Fahrten selbst – für sich und andere. Der gelernte Bankkaufmann kennt die Kniffe, wenn er zum Beispiel am Tag einer Auslosung Flüge bucht, weil sie dann billiger sind. So kommt er finanziell über die Runden. Er hat schon Auswärtsspiele des FC Bayern in Sevilla mit einem Kurztrip nach Mallorca verbunden, er hat das deutsche Finale zwischen München und Dortmund in der Champions-League 2013 in Wembley verfolgt, und er hat jene Nacht 2014 in Rio zum Tage gemacht. Nur eins hat Mand noch nicht erlebt: ein Länderspiel in Deutschland. Einmal hatte er eine Karte: für die Partie gegen Holland in Hannover. November 2015. Doch dann: Absage wegen eines Terrorverdachts.

Und nun? Mand hat das entscheidende Gruppenspiel der Deutschen im Hörsaal der Uni Kassel verfolgt, direkt nach Abpfiff stornierte er die gebuchten Flüge. Immerhin konnte und kann er sich nun auf die Uni konzentrieren. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr.“ Am Dienstag steht die erste Prüfung für den Wirtschaftsstudenten an. „Ich wäre trotzdem lieber am Sonntag in Moskau.“ Wäre, wäre, Fahrradkette. Bei der nächsten EM in zwei Jahren ist er wieder dabei – „ganz sicher“.

Schon gewusst?

Mittlerweile gibt es den Fanclub Nationalmannschaft, der mehr als 50.000 Mitglieder hat – darunter auch Jonas Mand. Vorteil: Es lässt sich besser an Karten für manche Länderspiele kommen. Für die WM in Russland sicherten sich Mitglieder des Fanclubs Nationalmannschaft knapp 70.000 Tickets, ansonsten waren kaum deutsche Anhänger vor Ort.

Das Finale am Sonntag im Moskauer Luschnikistadion werden 80 000 Menschen vor Ort verfolgen. Im Fernsehen sahen das Endspiel 2014 annähernd 3,2 Milliarden Menschen.

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