Kasseler Forscher widerlegen Studien, die Zusammenhang von Länderspielen und Aktienkursen behaupten

Fußball-WM lässt die Börse kalt

Christian

Kassel. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist in vollem Gange. Und das deutsche Team hatte bei seinem Start für eine große Euphorie bei den Fans quer durch alle Bevölkerungsschichten gesorgt. Selbst Kanzlerin Angela Merkel war begeistert.

Doch beflügelt diese Euphorie auch die Risikobereitschaft von Anlegern an der Börse? Haben Fußballländerspiele Einfluss auf die Kurse?

Das haben Prof. Christian Klein, Leiter des Fachgebiets Unternehmensführung der Universität Kassel, und sein Mitarbeiter Dr. Bernhard Zwergel untersucht. Einige Studien aus dem angelsächsischen Raum waren zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Sieg der englischen Mannschaft die Londoner Börsenkurse ansteigen lässt, ein Sieg der deutschen Elf den Deutschen Aktien Index (DAX). Bei einer Niederlage, so die Studien, gingen die Kurse in den Keller.

Die Kasseler Forscher sind zu einem anderen Ergebnis gekommen. „Die Annahme, es bestehe ein Zusammenhang zwischen den Ergebnissen eines Nationalteams und den Börsenkursen, ist falsch“, sagt Klein. In den Studien, die einen Zusammenhang nahelegen, haben die Kasseler Wissenschaftler grundlegende Fehler entdeckt.

So seien beispielsweise K.o.-Spiele, die nach 90 Minuten unentschieden standen, als Remis gewertet worden. Das Endergebnis nach Verlängerung oder Elfmeterschießen sei nicht einbezogen worden. Auch dass Börsen an Feiertagen geschlossen haben, sei nicht berücksichtigt worden.

Die Entwicklung der Kurse am Tag nach einem Fußballländerspiel sei entsprechend verfälscht. Klein und Zwergel haben dagegen eine eigene Studie vorgelegt, die Weltmeisterschafts-, Europameisterschafts- und Qualifikationsspiele der Jahre 1990 bis 2006 einbezieht. Anhand mehrerer statistischer Modelle haben sie einen Zusammenhang zwischen den Fußballspielen und den Börsenkursen untersucht: Ihr Ergebnis: Es gibt keinen.

„Selbst besonders überraschende Resultate wie das 1:2 gegen Tschechien, mit dem das deutsche Team 2004 aus dem EM-Turnier flog, hatten keinen Einfluss auf die Kurse“, sagt Klein. Er erklärt warum: Ein Großteil des Handelsvolumens an den großen Börsen gehe inzwischen von ausländischen Anlegern aus.

Psychologische Faktoren

Klein: „Es mag psychologische Faktoren geben, die die Börsen beeinflussen, etwa wenn eine lange Zeit schönes Wetter herrscht, Fußballergebnisse gehören aber nicht dazu.“

Interessant ist auch die Gegenprobe der Kasseler Wissenschaftler: So produzierten Länderspiele laut Klein einen großen Datensatz, der sich mit einer Vielzahl statistischer Methoden untersuchen lasse. Wolle man zu bestimmte Aussagen kommen, wie etwa einen Zusammenhang zwischen Fußballländerspielen und Börsenkursen behaupten, finde sich dafür immer eine Möglichkeit. Foto: privat/nh

Von Mirko Konrad

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