Tipps vom Experten

So entsteht Fußpilz - und so kann er behandelt werden

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Auf der sicheren Seite: Wer im Schwimmbad Badelatschen trägt, der verringert das Risiko, sich mit Fußpilz anzustecken. Die Krankheit kann mit Salben und Cremes behandelt werden.

Kassel. Sommerzeit ist Sandalenzeit: Aber bedeutet das auch, dass es durch leichteres Schuhwerk und häufiges Barfußlaufen mehr Erkrankungen an den Füßen gibt? Und die Ansteckungsgefahr für Fußpilz möglicherweise zunimmt?

Im Interview beantwortet der Kasseler Dermatologe Dr. Thomas Meyer die wichtigsten Fragen zu Fußerkrankungen und gibt Tipps zur Behandlung.

Herr Meyer, ist der Sommer die Hochzeit für Fußerkrankungen?

Dr. Thomas Meyer:Nein, eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall. Die Gefahr für Fußpilz ist deutlich höher, wenn Füße in Socken und dicke luftundurchlässige Schuhe gesteckt werden. Von der Natur ist es ja eigentlich eher so vorgesehen, dass die Füße unbedeckt an der frischen Luft sind. Im Sommer zeigt man allerdings seine Füße eher barfuß oder in luftigen Schuhen, da fallen die Erkrankungen dann nur mehr auf.

Was sind die häufigsten Fußerkrankungen?

Meyer: Der Fußpilz ist die häufigste Erkrankung. Vielfach lauert er in feuchten Milieus. Beispielsweise im Schwimmbad. Die Warzen werden in den meisten Fällen eher durch Sport, der barfuß ausgeübt wird, übertragen.

Wie macht sich Fußpilz bemerkbar?

Meyer: Fußpilz siedelt sich klassischerweise in den Zehenzwischenräumen an. Besonders häufig zwischen den kleinen Zehen. Da bilden sich dann ganz kleine Einrisse, die man so gar nicht bemerkt. Das sind aber oft schon die ersten Anzeichen für eine Infektion. Vielfach fällt der Pilz dann erst auf, wenn er stark juckt. In schlimmen Fällen kann es auch zu Schmerzen kommen. Pilze sind überall da, wo es feucht und warm ist. Von dort gehen sie dann auf den Menschen über. Ein Fußpilz ist die erste Form eines Pilzes, wenn er sich weiterentwickelt, kann er auch auf den Nagel überspringen. Nagelpilz ist aber im Gegensatz zum Fußpilz eher ein optisches Problem und tut nicht weh.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Wie kann man sich vor Fußpilz schützen?

Meyer: Der beste Schutz sind Badelatschen. Außerdem sollte man die Füße immer trocken halten und nach dem Kontakt mit Wasser abtrocknen, um eine Ausbreitung oder Ansteckung zu verhindern. Auf trockener Haut gedeiht kein Pilz.

Wie kann man Fußpilz behandeln?

Meyer:Fußpilz muss konsequent mit Cremes oder Sprays behandelt werden. Wer regelmäßig Frei- oder Hallenbäder besucht, kann die auch vorbeugend nutzen, um sich keinen Pilz einzufangen. Nagelpilz kann man mit speziellen Lacken oder, wenn er weit fortgeschritten ist, mit Tabletten behandeln.

Wie lange dauert die Behandlung von Fußpilz?

Meyer: Wenn ausschließlich die Haut betroffen ist, dann dauert die Behandlung ein bis zwei Wochen. Hat der Pilz bereits den Nagel angegriffen, dauert es sechs bis zwölf Monate.

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Ein verbreitetes Problem an den Füßen sind Warzen. Handelt es sich hierbei auch um einen Pilz?

Meyer:Nein, Warzen sind ein Virusinfekt. Die Warzenviren pflanzen sich in die Haut ein und vermehren sich. Das führt dann zur Verhornung, die als Warze sichtbar wird. Häufig erfolgt die Vermehrung durch falsche oder gescheiterte Behandlungsversuche.

Was muss man also tun, um die Warze wieder wegzubekommen?

Meyer: Die Warzenbehandlung ist sehr unterschiedlich. Der Vorteil ist, dass Warzen auch manchmal einfach von selbst wieder verschwinden. Die Spontanheilungsrate von Warzen liegt bei ca 50 Prozent. Wenn es nicht schmerzt, ist also auch Abwarten eine Behandlungsmöglichkeit. Es gibt jede Menge Hausmittelchen. Aber daran glaube ich nicht. Wenn das alles nicht hilft, dann gibt es verschiedene Maßnahmen, die Hornhaut aufzulösen, oder auch Medikamente, die das Virus bekämpfen. Eine Operation oder Lasertherapie ist die letzte Möglichkeit.

Sind Warzen ansteckend?

Meyer:Theoretisch ja, allerdings sitzt das Virus in der Tiefe der Haut. Man muss das Warzengewebe also verletzen, damit es zu einer Ansteckung kommt. Eine normale in sich ruhende Warze ist nicht ansteckend.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Worauf kann man bei der Fußbekleidung achten?

Meyer:Ein Schuh sollte nicht einengen und im besten Fall luftig sein. Egal, ob ich den Schuh zum Sport oder zur Arbeit trage. Leder, das zum Teil offen ist, ist als Obermaterial ideal.

Zur Person: Thomas Meyer

Dr. Thomas Meyer (57) wurde in Hildesheim geboren. Nach Medizin-Studium in Göttingen absolvierte er seine Ausbildung zum Facharzt für Dermatologie und Venerologie in Hamburg und Koblenz. Seit 1997 ist Meyer als niedergelassener Hautarzt in Kassel tätig. Er ist seit 2005 Landesvorsitzender der Deutschen Dermatologen. Meyer ist verheiratet.

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