Kammerjäger: Zahl der Ratten in Kassel durch gelbe Säcke gestiegen – Keine Essensreste in Toiletten kippen

Futter in Kanalisation lockt an: Rattenplage ist in Kassel Dauerthema

Kanalisation wie Straßen für Schädlinge: Im Untergrund bewegen sich Ratten in Städten fort. Werfen Menschen Essensreste in Toiletten, lockt das die Nager an. Unser Archivbild entstand im Untergrund der britischen Hauptstadt London. Archivfoto: dpa

Kassel. Ratten zu bekämpfen, bleibt eine Daueraufgabe. Deswegen hat das Kasseler Ordnungsamt wie jedes Jahr im April zu einer allgemeinen Bekämpfungsaktion aufgerufen. Damit wolle man vorbeugen, auch um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, sagt Lothar Pflüger vom Ordnungsamt.

Wie viele der Schädlinge in Kassel leben, kann niemand seriös sagen. Hinweise darauf, dass der Befall zunimmt, gibt es nicht. Allerdings scheint die Zahl der Ratten auch nicht zu sinken. Seit Längerem legt der Kasseler Entwässerungsbetrieb (KEB) 1500 Gift-Köder pro Jahr zur Bekämpfung von Ratten aus. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge kommen in Städten auf einen Einwohner zwischen eine und zehn Ratten.

Virtuelle Kanalführung

Kasseler Entwässerungsbetrieb

Nicht nur Menschen zieht es ins Freie, wenn es wärmer wird. Auch Ratten kommen im Frühling aus ihren Löchern – auf der Suche nach Nahrung. Gerade die Einführung der gelben Säcke und deren unsachgemäße Lagerung habe den Bestand der Ratten in Kassel wachsen lassen. Zu dieser Einschätzung kommt Johannes Blessing, Schädlingsbekämpfer aus Niestetal, wenn er die Zahl seiner Aufträge als Maßstab nimmt.

Fast paradiesische Zustände entwickeln sich für die Schädlinge, wenn Essensreste unbedacht entsorgt werden. In keinem Fall solle man Lebensmittel in die Toilette kippen. Das locke Ratten an. Auch sollte man draußen kein Futter für Haustiere auslegen, rät Karsten Köhler, Sprecher des Kasseler Entwässerungsbetriebs (KEB). „Da, wo Ratten auftauchen, nimmt man es mit diesen Dingen nicht so genau.“

Wie viele Ratten es in Kassel gibt, weiß niemand genau. Grund zur Besorgnis gebe es nicht, sagt Lothar Pflüger vom Ordnungsamt. Aber leider seien jedes Jahr etwa 25 bis 30 Grundstücke so stark von Ratten befallen, dass die Behörde einschreiten muss. Die Eigentümer würden verpflichtet, die Schädlinge zu bekämpfen. Komme jemand einer solchen Anordnung nicht nach, beauftragt das Ordnungsamt einen Schädlingsbekämpfer und treibt die Kosten dafür ein.

Etwa 11.000 Euro wendet der KEB für die Rattenbekämpfung jedes Jahr auf. In erster Linie geschehe das im Rahmen der Unfallverhütung, um die eigenen Mitarbeiter vor Gesundheitsgefährdungen zu schützen, sagt Köhler.

28 Mitarbeiter des Kanalbetriebs seien entsprechend geschult, um Köder auszulegen. Wie viele Ratten dann durch einen Köder getötet werden, lasse sich nicht sagen. Das Gift wirke nicht sofort, sondern lasse die Tiere erst Tage später gewissermaßen verbluten.

Gerade um Haustiere und Kinder nicht zu gefährden, raten sowohl Blessing als auch Köhler davon ab, selbst Rattengift auszulegen. Die Bekämpfung sollte besser einem Fachmann überlassen werden.

„Ratten sind immer ein Problem“, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes von Stadt und Landkreis. Deswegen dürfe man auch nicht nachlassen, sie zu bekämpfen. Gefährliche Krankheiten wie Salmonellen und Typhus können Ratten übertragen. Bisse seien eher selten. In der Regel passiere die Infektion über den Kot der Tiere, Partikel nehme der Mensch über die Atemwege auf.

Ob Ratten zunehmende Probleme verursachen, könne sie beim Blick auf die Entwicklung meldepflichtiger Krankheiten nicht einschätzen, sagt Müller. „Es werden aber auch nicht weniger.“

Aus Sicht von Pflüger und Köhler hat Kassel den Rattenbefall ganz gut im Griff. Dafür sprechen die relativ geringen Ausgaben. Zum Vergleich: Die Rattenfängerstadt Hameln, die nur etwa ein Drittel der Einwohner Kassels hat, lässt sich die Bekämpfung jedes Jahr 75.000 Euro kosten.

Von Claas Michaelis

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