Ratten breiten sich in Kassel aus

Rattenplage in Kassel: Anwohner erblickt 50 Tiere auf einmal

Rattenplage in Kassel
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In Kassel macht sich eine Rattenplage bereit.

Milde Winter und das Wegwerfen von Lebensmitteln haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass es in Kassel immer mehr Ratten gibt.

Kassel – War zuletzt vorwiegend der Kasseler Innenstadtbereich mit vielen Gastronomiebetrieben betroffen, hat Corona jetzt dazu geführt, dass die Ratten sich auch vermehrt in Wohngebieten in den Stadtteilen ansiedeln. Die Nagetiere finden wegen der Pandemie an ihren angestammten Futterplätzen nicht mehr ausreichend Nahrung. Teilweise dringen sie auf der Suche nach Futter deshalb sogar in Wohnhäuser in Kassel ein. Aufgrund des Futtermangels verlieren die Ratten immer mehr die Scheu vor Menschen.

Unter anderem im Rothenditmolder Ortskern sind die Tiere an mehreren Stellen zum massiven Problem geworden. Im Bereich der Naumburger Straße kann man die Nagetiere teilweise am helllichten Tag beobachten, wie sie zwischen Kellereingängen, Mülltonnen und Kanalschächten pendeln.

Ratten breiten sich in Kassel aus: Sie müssen professionell bekämpfen werden

Ein Anwohner erzählt: Zuletzt habe er in den frühen Morgenstunden beim Blick aus seiner Wohnung nahezu 50 Tiere gezählt. Es gäbe viele Anwohner, die aus Angst oder Ekel schon die Straßenseite wechseln, so der Mann.

„Wegen des Lockdowns und insbesondere wegen der Schließung der Gastronomiebetriebe entsteht in der KasseIer Innenstadt weniger Müll in Form von Lebensmittelresten und damit ein schlechteres Nahrungsangebot für Ratten. Daher sind temporär Populationen in anderen Teilen der Stadt zu beobachten“, bestätigt auch die Stadt Kassel.

Ratten zählen zu den Schadnagern.

Wenn dem Kasseler Ordnungsamt Rattenbefall gemeldet wird, würde der Eigentümer der Liegenschaft aufgefordert, die Ratten professionell bekämpfen zu lassen und darüber einen Nachweis zu erbringen. Gleichzeitig würden die Stadtreiniger informiert, damit etwa Müll auf der öffentlichen Fläche beseitigt werden könne, so ein Stadtsprecher. In Gewässernähe und in der Kanalisation ist der Eigenbetrieb Kasselwasser für die Rattenbekämpfung zuständig. In Rothenditmold wurden die entsprechenden Maßnahmen bereits vor Wochen eingeleitet, erklärt die Stadt Kassel.

Wenn ein Rattenbefall auftritt, ist es oftmals nicht ganz leicht zu klären, wer für eine entsprechende Bekämpfung der Tiere verantwortlich ist. Auch gibt es bestimmte Maßnahmen, die vorbeugend wirken können. Fragen und Antworten.

Ist man zur Bekämpfung von Ratten verpflichtet?

Jeder Haus- und Grundstückseigentümer ist in Kassel einmal jährlich zur Bekämpfung von Ratten verpflichtet. Dabei soll ein professioneller Schädlingsbekämpfer für die Tötung beauftragt werden. Im Frühjahr ist eine Bekämpfung der Nager besonders effektiv. Denn aufgrund des geringen Nahrungsangebotes in den Wintermonaten zieht es die Ratten in dieser Zeit verstärkt in dicht besiedelte Gebiete. Dieses Problem ist in diesem Jahr durch Corona noch mal verstärkt worden, weil viele Gastronomiebetriebe geschlossen sind.

Ist ein Rattenbefall meldepflichtig?

Wer einen Rattenbefall auf seinem Gelände entdeckt, sollte die Kommune informieren, um möglicherweise weitere Schritte abzusprechen. Eine Pflicht dazu gibt es aber nicht.

Was passiert, wenn Eigentümer ihrer Pflicht zur Bekämpfung nicht nachkommen?

Die Stadt Kassel prüft nicht flächendeckend, ob Ratten pflichtgemäß bekämpft werden. Wenn die Stadt Hinweise auf einen Rattenbefall erhält, prüft sie in dem Fall aber, ob die Eigentümer ihrer Pflicht nachgekommen sind. Wenn nicht, werden sie dazu aufgefordert. Kommen sie der Aufforderung nicht nach, beauftragt die Stadt einen Schädlingsbekämpfer und stellt die Kosten dem Eigentümer in Rechnung. Zudem droht nach dem Infektionsschutzgesetz ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro.

Wie werden Ratten professionell getötet?

Der Schädlingsbekämpfer legt dafür Rattenköder in fest verschlossenen Boxen aus. Diese sind so konstruiert, dass kleine Kinder und Haustiere nicht mit dem Rattengift in Verbindung kommen können. Viele lassen sich nur mit einem speziellen Schlüssel öffnen. Die Köder sind mit einem Wirkstoff präpariert, der dafür sorgt, dass die Tiere innerhalb von wenigen Tagen innerlich verbluten. „Sie ziehen sich in ihrem Bau zurück und sterben dort“, erklärt Schädlingsbekämpfer, Dennis Karl. Nur solche Mittel sind zugelassen. Würden die Tiere direkt nach der Aufnahme des Köders sterben, würden andere Ratten dadurch abgeschreckt.

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Inwiefern können Ratten zur Gefahr für Menschen werden?

Ratten können als Schädlinge Krankheiten übertragen, Lebensmittel verunreinigen, Gebäude zerstören und Schäden in Land- und Forstwirtschaft verursachen. Sie gelten aber auch als klug und sozial und begeistern als Haustiere und Versuchstiere in der Entwicklung von Medikamenten.

Wie sollen sich Menschen den Tieren gegenüber verhalten?

Es gilt, Ratten nicht den Tisch zu decken: Essensreste dürfen nicht durch die Toilette in die Kasseler Kanalisation gespült werden. Auf öffentlichen Flächen sollten Speisereste immer in Abfalltonnen entsorgt werden. Knochen und Fleischreste haben auf dem Kompost nichts zu suchen. Und wer Wildvögel füttert, sollte die heruntergefallenen Futterreste beseitigen.

Wie kann man vorbeugen, damit sich Ratten nicht in Wohngebieten ansiedeln?

Außentüren geschlossen halten, Löcher und Spalten schädlingsdicht verschließen und Rohre und Schächte mit fraßfesten Gittern versehen. Sollten härtere Maßnahmen notwendig sein, so können professionelle Schädlingsbekämpfer zurate gezogen werden. Denn das Tierschutzgesetz verlangt, dass Wirbeltiere grundsätzlich nur von sachkundigen Personen getötet werden dürfen.

Schon vor einigen Jahren hat der Entwässerungsbetrieb Kasselwasser mit der Kampagne „Don’t feed the rat – Keine Speisen ins WC“ Ratten in Kassel den Kampf angesagt. (Kathrin Meyer)

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