Schülerzahlen am Wilhelmsgymnasium belegen Vorteil von verkürztem Abi

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Chemiestunde in der 8. Klasse: WG-Lehrerin Dr. Susanne Kliem (rechts vorne) erklärt den G 8-Schülern in einem Experiment wie Natrium mit Wasser reagiert. Vorne am Tisch (von links): Vivian Grüneklee (14 Jahre), Betty Frank (14), Tatjana Tumarkina (14) und Maryam El Morabiti (15).

Kassel. „Den jetzt deutlich erkennbaren Erfolg von G8 hat kaum einer erwartet“, sagt der Direktor des Wilhelmsgymnasiums, Dr. Hans-Jürgen Ziegler. Viele Schulleiter und Lehrer - auch an seiner Schule - seien anfangs skeptisch gewesen, ob die verkürzte Abiturzeit funktioniert und die Schüler nicht überfordert.

Das Wilhelmsgymnasium im Regiowiki

Das Gegenteil zeichne sich jetzt am Gymnasium an der Kunoldstraße ab. Dort wurden Schülerzahlen erhoben und miteinander verglichen. Die Entwicklung spreche für sich, sagt Ziegler: Schüler bleiben bei G 8 länger bei der Stange, sprich: Sie scheitern auf der Zielgeraden zum Abi weniger als Generationen zuvor.

So hat die Zahl der 2003/04 in G 9 eingeschulten 151 Fünftklässler am WG kontinuierlich abgenommen, bis sie in der neunten Klasse auf 127 geschrumpft war. 24 Schüler sind während dieser Zeit verlorengegangen. Sie mussten das Schuljahr wiederholen oder haben das WG verlassen, weil sie den Schulstoff nicht mehr gut bewältigen konnten.

Ganz anders bei G 8: Von den 2007/08 eingeschulten 145 Fünftklässlern sind fünf Jahre später noch fast alle dabei. Ein einziger Schüler hat die Jahrgangsstufe verlassen.

Auch diese Beobachtung kann man zurzeit am WG machen: „Im aktuellen Doppeljahrgang sind in der sogenannten Qualifzierungsphase acht Schüler im Abiturerfolg bedroht. Davon stammen sieben Schüler aus dem G 9-Jahrgang und ein Schüler aus G 8“, sagt Ziegler: „Ist das Zufall?“

Klar sei jedenfalls, dass G 8 viel besser laufe als erwartet. Ziegler ist davon überzeugt, dass gymnasial geeignete Kinder eine größere Erfolgschance haben als unter G 9. Über Abiturerfolge von G 8 liegen noch keine Resultate vor.

Frage nach dem Warum

Jetzt müsse der Frage nach dem Warum nachgegangen werden, sagt Ziegler. Er stellt fest, dass die Lehrpläne seit Einführung des verkürzten Abiturs bereits zwei mal reduziert und entschlackt wurden. Auch die Tatsache, dass die Schulen ihre eigene Stundentafel erarbeiten können, komme den individuellen Bedürfnissen der Schüler entgegen. So reduzierten mehr Doppelstunden und weniger Einzelstunden am Tag deutlich den Hausaufgabenaufwand.

Insgesamt verbringen die Kinder mehr Zeit in der Schule, was durchaus zur Verbesserung sozialer Kompetenzen beitragen kann, meint Ziegler. Beispielsweise sei im Gesamtpaket G 8 auch die Mittagspause „bildungswirksam“. „Vielen Kindern fehlen ja die einfachsten Dinge.“ Zur Mittagsbetreuung am WG gehörten attraktive Nachtragsangebote wie Arbeitsgemeinschaften, Förderkurse und Hausaufgabenbetreuung. Voraussetzung für den Erfolg sei jedoch, dass sich die Schüler im Schulgebäude wohlfühlen.

Am WG war man schon ein Jahr vor der Einführung von G 8 mit einer Klasse Freiwilliger in das verkürzte Abitur gestartet. Besonders lernstarken Klasse gibt es am WG auch parallel zu G 8.

Von Christina Hein

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