Familiekämpfte bis zur letzten Minute

Hochwasser: Gabelstapler als letzte Rettung

Berga. Plötzlich war das Wasser da. Am Morgen hatte es noch gut ausgesehen. Die Pegel stiegen nicht mehr, und das Schlimmste schien überstanden.

Gegen Mittag war dann alle Hoffnung dahin, als ein kleiner Nebenbach der Weißen Elster seine Eingrenzung durchbrach und sich das Wasser ungebremst auf dem Grundstück der Schwichtenbergs ausbreitete.

Das war am Sonntag, 2. Juni. Maik und Claudia Schwichtenberg sind mit ihren Kindern Kimi und Enie erst im vergangenen Jahr nach Berga nahe Gera in Thüringen gezogen. Claudia Schwichtenberg war mit ihrem dritten Kind, Jori, hochschwanger, als das Wasser kam. Schulterhoch stand es auf dem Grundstück der ehemaligen Baumschule, welche die beiden Polizeibeamten für ihre junge Familie mit viel Eigenarbeit hergerichtet hatten.

„Wir wollten das Haus nicht verlassen und haben versucht, so viel wie möglich zu retten“, erinnert sich Claudia Schwichtenberg. Gegen 13 Uhr musste die 32-Jährige einsehen, dass sie keine andere Wahl hatte, als doch zu gehen.

„Weil alle Boote da schon woanders im Einsatz waren, musste ich mit dem Gabelstapler abgeholt werden.“ Aus dem Küchenfenster im ersten Stock holten sie die Männer einer ortsansässigen Firma heraus. „Ich musste noch Zentimeter von der Fensterbank auf die Europalette hüpfen und hatte nur meine Schlappen an“, erzählt die Mutter von ihrer Rettung.

So wie den Schwichtenbergs ging es vielen Familien in Berga. „15 Millionen Euro Schaden sind entstanden“, berichtet Stephan Büttner, Bürgermeister der 1800 Einwohner zählenden Gemeinde. Die Orte an der Weißen Elster hat es besonders hart getroffen, da sich der Fluss in engen Windungen durch das Schiefergestein des Kyffhäusergebirges windet. Das Wasser hat dort wenig Ausweichmöglichkeiten. Das bekam auch Wünschendorf zu spüren. Dort konnte durch die HNA-Aktion ebenfalls vielen Familien geholfen werden.

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Die Schwichtenbergs erhalten 5000 Euro aus der HNA-Spendenaktion. „Das Geld werden wir in eine neue Heizung investieren“, sagt Claudia Schwichtenberg. Die alte Ölheizung sei nämlich untergegangen und würde gerade noch den Winter überstehen.

Von Jonathan Vorrath

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