Mit H für Hessen

So funktionierten die alten Autokennzeichen: KS gab es nicht

Ungewohnte Nummernschilder: Unser Bild entstand 1954 an der Kreuzung „Am Stern“ in Fahrtrichtung Lutherkirche. Die beiden Autos haben alte Kasseler Stadt-Kennzeichen. Archivfoto:  Lengemann

Kassel. Weiße Ziffern auf schwarzem Grund, das gewohnte KS für Kassel sucht man vergeblich: Nach dem HNA-Bericht vom Mittwoch über die ersten Ampeln in Kassel rätselten viele Leser über die Bedeutung der abgebildeten alten Autokennzeichen.

Sie stammen noch aus der amerikanischen Besatzungszeit nach dem Krieg, erläuterte Rolf Mai von der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle für Stadt und Landkreis Kassel.

Bevor 1956 das bis heute gebräuchliche System eingeführt wurde, waren die dunklen Nummernschilder seit den ersten Nachkriegsjahren in Gebrauch. In unserer Region begannen die Kennzeichen ab 1948 mit AH – klein übereinander geschrieben – für „Amerikanische Zone Hessen“, seit 1950 stand am Anfang dann nur noch das Hessen-H.

Es folgten zwei Ziffern für den Zulassungsort. Dass ein Auto aus der Stadt Kassel kam, konnte man an zwei möglichen Kombinationen erkennen: H94 oder H22. Alle großen Städte hatten damals mehrere solche Kennungen – Wiesbaden etwa drei, Frankfurt gleich sieben – weil dort vergleichsweise viele Autos angemeldet waren.

Im Kasseler Umland konnten sich in den frühen 1950er-Jahren nur wenige Familien schon ein Auto leisten. Die Kombination H31 stand seinerzeit für „Kassel Land“, Fahrzeuge mit H29 waren in Hofgeismar zugelassen und mit H37 in Wolfhagen.

Nach einem Bindestrich machte auf der rechten Nummernschildhälfte schließlich eine vierstellige Zahl das jeweilige Auto identifizierbar. Somit gab es pro Zulassungsbezirk 10 000 Kombinationsmöglichkeiten, verdoppelt durch die zwei Kennungen für das Kasseler Stadtgebiet.

Für den damals noch spärlichen Fahrzeugbetrieb passte das System. Doch angesichts der heutigen Fahrzeugflut würde es bei weitem nicht mehr hinreichen, sagte Rolf Mai. Aktuell seien in der Stadt Kassel 110 000 Kraftfahrzeuge zugelassen und im Landkreis noch einmal fast doppelt so viele. Mit den heutigen Stadt-Nummernschildern – also in der Regel KS, zwei Buchstaben und drei Ziffern – lassen sich insgesamt, selbst wenn man verbotene Kombinationen abzieht, mehr als eine halbe Million Fahrzeuge unterscheiden.

Von Axel Schwarz

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