18 Jahre im Amt

Gala für Mister documenta: Verabschiedung von Bernd Leifeld

14 Jahre lang bereitete er die Bühne für Weltkunst in Kassel: Bernd Leifeld (Mitte) im Kreis früherer und künftiger documenta-Leiter - von links Adam Szymczyk, der die Ausstellung 2017 leiten wird, Carolyn Christov-Bakargiev (documenta 13 vor zwei Jahren), Roger M. Buergel (documenta 12) und Okwui Enwezor (documenta 11). Fotos: Fischer

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass einer wie Bernd Leifeld in den Ruhestand geht: Kunstminister Boris Rhein sprach aus, was in der documenta-Halle 350 Gäste einer Abschiedsgala für den scheidenden documenta-Geschäftsführer empfanden.

18 Jahre lang hat Leifeld der Stadt Kassel als Weltkunstmetropole einen ganz persönlichen Stempel aufgeprägt – und ist bei all seinen kitzligen kunstdiplomatischen Missionen stets so nahbar, herzlich und geerdet geblieben, dass der Abschieds-Applaus nicht enden wollte. Aus allen Bereichen des Kunst-, Kultur- und Gesellschaftslebens waren Gratulanten gekommen.

Im Ringen um gute Arbeitsbedingungen für die Kunst könne Bernd Leifeld aber auch anders, berichtete Hortensia Völckers von der Kulturstiftung des Bundes, die mit im Team war, als der documenta-Geschäftsführer ab 1996 erstmals eine Schau in Kassel auf die Beine stellte: Leifeld könne regelrecht „zum Tier werden“, wenn finanzkräftige Einflüsterer versuchten, aus der documenta eine künstlerische Sponsorenkirmes zu machen. Anfangs, verriet Völckers, habe der gelernte Theatermann aus Gewohnheit und zur Verwunderung seiner Mitarbeiter immer von der „Abendkasse“ gesprochen: „Das haben wir für Catherine David lieber nicht übersetzt.“

Fotos: Verabschiedung von Bernd Leifeld

Ehemaliger documenta-Geschäftsführer: Verabschiedung von Bernd Leifeld

Die Macherin der documenta X fehlte bei der Abschiedsgala. Sämtliche anderen Ausstellungsleiter, die mit Leifeld zusammengearbeitet haben, waren am Freitagabend in die documenta-Halle gekommen und die gefragtesten Smalltalk-Partner – neben der Hauptperson selbst natürlich, die „mit zwei weinenden Augen“ aus einer Funktion ausscheidet, die Oberbürgermeister und documenta-Aufsichtsratsvorsitzender Bertram Hilgen als Traumjob skizzierte: Bernd Leifeld sei ein Kulturmanager, der seine Arbeit liebt und in ihr aufgeht. Und ebenso ein Glücksfall für die Stadt und für die documenta.

So einer, um den Anfangsgedanken wieder aufzugreifen, zieht sich natürlich nicht aufs Altenteil zurück. Bis Montag, seinem offiziell letzten Arbeitstag, wolle er „noch weinen“ und dann gespannt schauen, welcher Ruf ihn ereilen werde, sagte Leifeld. Einen Abschiedswunsch habe er aber: Im kommenden Jahr, wenn die documenta ihr 60-jähriges Bestehen feiert, mögen sich Vertreter von Stadt und Land Hessen vor dem Fridericianum an einen weiß gedeckten Tisch setzen und per Unterschrift besiegeln, „dass das städtische documenta-Archiv unter das Dach der documenta-GmbH kommt“.

Der kurze, diskrete Händedruck zwischen OB Hilgen und Minister Rhein lässt vermuten, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte.

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