Neues Konzept

Galeria Kaufhof baut um: Kassel wird Modellfiliale für die Neuausrichtung

Wird gerade aufwendig umgebaut: In der Galeria Kaufhof-Filiale in Kassel laufen zurzeit Umgestaltungsarbeiten in fast allen Bereichen des Hauses. Etwa Ende Oktober soll das Warenhaus mit völlig neuem Konzept präsentiert werden.
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Wird gerade aufwendig umgebaut: In der Galeria Kaufhof-Filiale in Kassel laufen zurzeit Umgestaltungsarbeiten in fast allen Bereichen des Hauses. Etwa Ende Oktober soll das Warenhaus mit völlig neuem Konzept präsentiert werden.

Im Kaufhof-Warenhaus in Kassel läuft ein großer Umbau. Der Galeria-Konzern hat den Standort als Modellfiliale für die Neuausrichtung ausgewählt.

Kassel - Die größte und traditionsreichste Einkaufsstätte in Kassels Innenstadt hatte mancher Pessimist schon abgeschrieben. Nicht nur die Turbulenzen und Standortschließungen im Mutterkonzern Galeria Karstadt Kaufhof waren der Anlass dafür. Sondern auch generelle Zweifel, ob große Warenhäuser mit ihrem Alles-unter-einem-Dach-Konzept in der modernen Einkaufswelt überhaupt noch eine Zukunft haben.

Für den Kasseler Kaufhof kann diese Frage als positiv beantwortet gelten. Das 1955 eröffnete Haus wird derzeit nicht nur auf allen Etagen aufwendig umgebaut, es soll mit ganz neuen Serviceangeboten gar zu einer Modellfiliale für die Neuausrichtung des gesamten Galeria-Konzerns werden. Dazu hat Vorstandschef Miguel Müllenbach kürzlich Eckpunkte in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ skizziert.

Galeria-Konzern plant großen Umbau: Kaufhof-Filiale in Kassel wird Modellprojekt

Bei den Konzernplänen fällt das Kasseler Haus, das aus einem Einzugsgebiet mit rund einer Million Menschen angesteuert wird, in die Kategorie „Regionaler Magnet“. Als dieser soll der Kaufhof auch zukünftig fungieren, doch nur für Alltagsbesorgungen, die man von Online-Riesen schnell und bequem ins Haus geliefert bekommt, setzt sich kaum noch jemand ins Auto und fährt 50 Kilometer nach Kassel. Nicht allein für den Galeria-Konzern gilt: Nur mit besonderem Erlebniswert, großer Service-Vielfalt und regionaler Individualität werden sich Kunden künftig noch locken lassen.

Wie man sich das künftig in dem Kasseler Kaufhaus vorzustellen hat, dazu gab Konzernchef Müllenbach erste Ausblicke: Etwa 1200 Quadratmeter werde Kaufhof als eigene Verkaufsfläche aufgeben. Dafür werde zum Beispiel im Erdgeschoss ein Bereich für Produkte aus der Region geschaffen, in der obersten Etage werde ein „Pop-up-Brüder-Grimm-Museum“ entstehen. Bestellte Waren, auch solche von Partnerfirmen, wolle Galeria von einem Logistikbereich im Haus mit einem eigenen Kuriersystem an die Haushalte liefern, zudem entstehe für Abholungen im Kaufhaus „einer der modernsten Paketausgabeschalter, den es deutschlandweit gibt“, so Müllenbach.

Kassel: Galeria-Unternehmen plant Kooperation von Kaufhof und Kommune

Außerdem werde es Schalter im Kaufhaus geben, an denen man städtische Bürgerdienste in Anspruch nehmen kann. Darüber seien Müllenbach und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle „bereits seit einiger Zeit in gutem Austausch“, teilte Geselles Büro auf HNA-Anfrage mit.

Welche Angebote dies sein werden, werde momentan noch abgestimmt. Dem Vernehmen nach dürfte es sich aber weniger um Dienstleistungen des nahen Bürgerbüros im Rathaus handeln, sondern eher um solche von Stadtkonzern-Betrieben wie den Städtischen Werken, der KVG und der Stadtreiniger. So eine Kooperation zwischen Kaufhaus und Kommune dürfte bisher „sicher einzigartig in Deutschland“ sein, hieß es aus dem OB-Büro.

Name:Galeria Karstadt Kaufhof GmbH
Sitz: Essen
Umsatz:4,79 Mrd. Euro (2017)

Umbau und Namensänderung bis Herbst - Galeria Kaufhof in Kassel weiterhin geöffnet

Bis Ende Oktober soll der Umbau abgeschlossen sein, den Kunden zurzeit überall im Kasseler Kaufhof verfolgen können. Auf den meisten Etagen sind Zwischenwände und Verkaufsinseln weitgehend verschwunden, durch geöffnete Fensterfronten dringt reichlich Licht hinein. Die Warenpräsentation auf Kleiderständen und Verkaufstischen ist derzeit in vielen Bereichen recht provisorisch. Dafür soll sich der Einkaufs- und Erlebnisbummel in dem Warenhaus bald ganz neu anfühlen und um zahlreiche innovative Funktionen einer neuen App ergänzt werden. „Wir wollen das vernetzte Herz der Innenstadt werden“, kündigt Müllenbach an.

Vom gewohnten Namen „Kaufhof“ werden sich dann die Kunden – zumindest offiziell – verabschieden müssen. Die Bezeichnung der 131 Konzernhäuser, die mal Karstadt und mal Kaufhof heißen, soll mit dem neuen Auftritt vereinheitlicht werden. Ob es auf den Namen Galeria hinausläuft, hat das Unternehmen, dessen Warenhaus seit 110 Jahren in Kassel ansässig ist, bislang nicht bestätigt. (Axel Schwarz)

Im Galeria Kaufhof in Kassel hat die Lebensmittelabteilung bereits seit Ende Juli geschlossen.

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