Sozialdemokraten und Grüne wünschen sich in der Stadt mehr Blumenwiesen statt Rasenflächen

Ganz Kassel soll erblühen

Blütenmeer: Auf dem GWG-Gelände an der Straße Auf der Wiedrigsbreite blühten in diesem Sommer bis in den Herbst hinein bunte Blumen. Sie boten Insekten Nahrung und den Menschen eine Augenweide. Foto:  Walter/GWG/nh

Kassel. Wie wäre es, wenn auf städtischen Grünflächen in Zukunft viele verschiedene Blumen blühten und Insekten und Schmetterlinge anzögen? Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Harry Völler, kann sich das für Kassel gut vorstellen. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung trug er einen Antrag der Fraktionen SPD und Grüne vor, wonach der Magistrat aufgefordert ist, zu prüfen, inwieweit durch das Anlegen von mehr Blühstreifen und Blühflächen auf städtischen Grünflächen Insekten geschützt werden können.

Völler: „Was so unspektakulär klingt, hat für die biologische Vielfalt eine große Bedeutung.“ Er stelle fest, dass sich in den letzten Jahren unsere Kulturlandschaft verändert hat. „Landschaften sind mittlerweile fast blütenlos, Wildkräuter und -blumen sind nur noch selten zu finden. Diese Entwicklung ist verheerend insbesondere für unsere Insekten, deren Nahrungsangebot zurück geht“, sagt Völler.

Die Folge sei, dass viele Insektenarten, Schmetterlinge, Wild- und Honigbienen und Käfer, vorm Aussterben bedroht sind. Von 550 Wildbienenarten stehen 52 Prozent auf der Roten Liste der bedrohten Arten. „Insekten sind für einen intakten ökologischen Kreislauf von enormer Bedeutung. Ohne Biene wäre die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren geringer, die Umwelt einfältiger und ärmer.“

Geringer Pflegeaufwand

Das Anlegen von Blühstreifen, also die Einsaat von einheimischen Wildkräutern und -blumen, hat seiner Ansicht nach auch eine wirtschaftliche Komponente: Der Pflegeaufwand sei geringer als der von Grünstreifen, weil nur einmal, nach dem Abblühen, abgemäht werden müsse. Völler verweist auf Erfahrungen anderer Städte wie Würselen bei Aachen oder Mössingen in Baden-Württemberg. Überregionale Schlagzeilen haben die Mössinger mit ihrer Blütensamen-Mischung gemacht (Hintergrund). Er wünscht sich eine Vorbildfunktion der Stadtverwaltung, damit „mehr Menschen auf ihren Grundstücken Blühflächen anlegen“. Dabei gibt es in Kassel bereits in kleinerem Umfang Blütenflächen. Beispielsweise hat die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) in den vergangenen Monaten so manches Tütchen Mössinger Blütensamen-Mischung zum Blühen gebracht. So hat Bernd Walter, der für die GWG-Grünanlagen zuständig ist, „im großen Stil“ um die GWG-Häuser am Osterberg im Stadtteil Jungfernkopf Samen ausgebracht. Den Tipp hatte ihm Hanna Bielefeld-Hart vom Umwelt- und Gartenamt gegeben. „Das Ergebnis war überwältigend“, sagt Walter. Die Menschen blieben stehen und erfreuten sich.

Ähnlich gute Erfahrungen hat Regula Ohlmeier, die Leiterin des Umwelt- und Gartenamts, gemacht. Ihre Mitarbeiter haben im Frühjahr Blumensamen auf Baumscheiben entlang der Breitscheidstraße ausgebracht. Auch an der neuen Tramtrasse nach Vellmar wurde in Absprache mit der KVG gesät. „Die Menschen haben bei uns angerufen und ihre Begeisterung zum Ausdruck gebracht“, sagt Ohlmeier. Jetzt seien am Philosophenweg Blumen gesät worden: „Damit es dort im Frühjahr blüht.“

Von Christina Hein

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