Medienberichterstatter aus allen Kontinenten drängten sich bei der documenta-Pressekonferenz

Die ganze Welt blickt auf Kassel

Großer Andrang: Hunderte Fotografen hatten sich Plätze vor dem Podium in der Stadthalle gesichert. Als Carolyn Christov-Bakargiev das Wort ergriff, schickte sie als Erstes die Bildjournalisten nach hinten in den Saal. Foto: Fischer

Kassel. Das Foyer der Stadthalle summt vom Gewirr vieler fremder Sprachen, und mit ihren einheitlich gelben Erkennungsbändern um den Hals wirkt die Menge von weit über 1500 Journalisten, Fotografen und Kameraleuten beinahe selbst wie ein soziales Kunstwerk. Alle wollen dabei sein, wenn documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev die Grundzüge ihrer Ausstellung verkündet. Und wenn Kassel schon derart im Mittelpunkt des weltweiten Medieninteresses steht, will auch manch anderer dabei sein.

Bernd Kuchinke zum Beispiel. „Von der New York Times bis zur Prawda scheinen alle da zu sein“, sagt der Kasseler DJ und Musiker, der vor dem Eingang per Handzettel Werbung für seine neue House-Komposition macht – tanzbare Techno-Beats, die mit Schnipseln aus Bakargiev-Reden unterlegt sind. „Hello – you like one?“ Doch der untersetzte Herr mit Sturmfrisur winkt ab. Es ist der Kölner Künstler HA Schult, er eilt schnellen Schrittes ins Foyer, wo gerade der frühere Ausstellungsleiter Okwui Enwezor mit documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld in einer innigen Wiederbegegnungs-Umarmung plaudernd flaniert. Das weckt prompt den Jagdinstinkt einiger Fotografen, die sich an die Fersen des Duos heften.

Draußen laufen sich derweil die Kollegen Kameraleute warm, machen Außenaufnahmen vom Verkündungsort und lassen sich auch eine Performance nicht entgehen, mit der die Künstlerin Siglinde Kallnbach und zwei Mitstreiter wortlos und mit Masken für Kunstfreiheit demonstrieren. „Keine Zensur in Kassel“ steht auf ihren Plakaten. Hintergrund ist der Streit der documenta-Leitung mit der katholischen Kirche um Stephan Balkenhols prominent platzierte Nicht-documenta-Skulptur im Elisabeth-Kirchturm am Friedrichsplatz. In der Konferenz wird sich Carolyn Christov-Bakargiev wenig später gegen den Zensurvorwurf verwahren.

Alle Stehtische, Stufen und Mauersimse im Stadthallenfoyer sind inzwischen mit Medienleuten bevölkert. Konzentriert durchforsten sie die Pressemappe, die sie am Empfang erhalten haben, und klappern erste Eindrücke und Einschätzungen in die Tasten ihrer Smartphones und Laptops. „,Wi(e)derspruch‘ mit oder ohne e?“, fragt eine Berichterstatterin zwischen zwei Sätzen ihren Begleiter. Man hilft sich gegenseitig – auch mit Tipps zur Frage, was in Kassels Ausgehszene abends denn so los sei. Wie alle fünf Jahre werden sich die Lieblingsplätze des documenta-Volks wohl erst in den kommenden Tagen herausbilden.

60 documenta-Mitarbeiter haben den anschwellenden Andrang jederzeit im Griff. „Bis jetzt läuft alles ganz entspannt“, sagt eine der Empfangsdamen und spricht von 2000 Medienvertretern, die sich zur Konferenz angemeldet hätten: „Aber nicht alle sind auch gekommen.“

So findet die gesamte Medienschar im großen Stadthallensaal Platz, der gegen 12 Uhr voll, aber nicht bis zum letzten Stuhl besetzt ist. Kurz darauf gibt Bernd Leifeld auf dem Podium das Signal, dass alle fünf Jahre für einen documenta-Sommer die Stadt verändert: „Jetzt hat die Kunst das Wort.“

Von Axel Schwarz

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