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Gas-Abschlag nicht erhalten? Soforthilfe kommt nicht bei allen Kasseler Haushalten sofort an

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Von: Bastian Ludwig

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Erst mit vielen Monaten Verzögerung erreicht die Gas-Abschlagszahlung einige Kasseler.

Kassel – Mit ihrer Soforthilfe wollte die Bundesregierung die Verbraucher im Dezember von den hohen Gas- und Fernwärmekosten entlasten. Dafür hat sie die Abschlagszahlungen für den zurückliegenden Monat übernommen. Doch die finanzielle Unterstützung kommt vielen Kunden der Städtischen Werke erst mit etlichen Monaten Verzögerung zugute.

Zu den Betroffenen zählt das Ehepaar Elke und Matthias Kesper aus Kirchditmold. Dessen Zählerstände waren im Oktober 2022 turnusgemäß von den Städtischen Werken abgelesen worden. Weil das Paar im vergangenen Jahr höhere Monatsabschläge an den Kasseler Versorger gezahlt hatte als es Gas verbrauchte, folgte mit der Jahresrechnung im Dezember keine Abschlags- oder Nachzahlung, sondern eine Erstattung. „Darüber hatten wir uns natürlich gefreut“, so Matthias Kesper. Allerdings musste der Kirchditmolder feststellen, dass die vom Bund übernommene Abschlagszahlung für Dezember in der Abrechnung nicht berücksichtigt worden war.

Wie viel Ersparnis bedeutet die Gaspreisbremse und die Übernahme einer Abschlagszahlung für Verbraucherinnen und Verbraucher?
Viele warten noch auf eine Entlastung: Die Soforthilfe des Bundes wurde von den Städtischen Werken in 30 Prozent der Fälle noch nicht weitergegeben. (Symbolfoto) © Action Pictures/Imago; photothek/Imago, Montage: Red

Gas-Abschlagszahlung: Für Kirchditmolder ist Vorgehen der Städtischen Werke unverständlich

Auf telefonische Nachfrage bei den Städtischen Werken sei ihm dann mitgeteilt worden, dass in seinem Fall der Abschlag für Januar erlassen werde, weil dies für den Dezember wegen der Erstattung nicht möglich gewesen sei. Als schließlich der Januar-Abschlag dennoch von den Städtischen Werken eingezogen wurde, griff Kesper wieder zum Hörer. „Diesmal bekam ich die Auskunft, die Soforthilfe werde erst mit der nächsten Jahresabrechnung – in unserem Fall im November 2023 – verrechnet. Das Geld gehe uns also nicht verloren.“ Auf der Internetseite der Städtischen Werke ist beschrieben, dass die Soforthilfe in diesen Fällen im Januar oder zum Abrechnungszeitpunkt gutgeschrieben werde.

Für den Kirchditmolder ist das Vorgehen der Städtischen Werke völlig unverständlich. Schließlich solle die Soforthilfe den Menschen doch über den Winter helfen. Seine Frau und ihn stelle dies zwar nicht vor existenzielle Probleme. „Wir können uns trotzdem unser Brot leisten“, aber in anderen Fällen sei dies durchaus problematisch.

Verspätete Verrechnung des Gas-Abschlags: Städtische Werke äußern sich

Ein Sprecher der Städtischen Werke teilt auf HNA-Anfrage mit: „Das Gesetz sieht eine Verrechnung mit dem Dezemberabschlag vor. Wenn es keinen Abschlag im Dezember gibt, weil beispielsweise wie in diesem Fall kein Abschlag aufgrund der Jahresschlussrechnung fällig ist, ist die kommende Schlussrechnung als Auszahlungszeitpunkt vorgesehen.“

Von der verzögerten Erstattung sei etwa ein Zwölftel aller Kunden betroffen – sprich all jene, bei denen im Dezember abgerechnet werde.

Hinzu kämen die Kunden, deren Abschläge nicht eingezogen werden, sondern die einen Dauerauftrag eingerichtet hätten beziehungsweise ihre Abschläge monatlich bar zahlten. Diese hätten die Zahlungen im Dezember selbstständig aussetzen müssen. Auf ihrer Internetseite hatten die Städtischen Werke über das Verfahren entsprechend informiert.

Gas-Abschlag in Kassel: Sprecher stellt klar - „Niemandem geht das Geld verloren“

„Niemandem geht das Geld verloren“, stellt der Sprecher klar. Die Erstattung erfolge in diesen Fällen mit Verzug zum jeweiligen Abrechnungsdatum. Nur im extremsten Fall müssten die Betroffenen – wie im Fall des Ehepaars Kesper – ein Jahr lang warten. 70 Prozent aller Gas- und Fernwärmekunden, die einen direkten Vertrag mit den Städtischen Werken haben, hätten von der Soforthilfe bereits im Dezember 2022 profitiert.

Diese Aussage gelte aber ohnehin nur für Verbraucher, die direkte Vertragspartner der Städtischen Werke seien. Wer als Mieter über seine Nebenkosten für Gas- und Fernwärme zahle, müsse ohnehin auf die Abrechnung seines Vermieters warten. (Bastian Ludwig)

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