Rekordergebnis 2013

Milliarden für Öl und Gas: Wintershall weitet Geschäft in Norwegen und Russland aus

Kassel. Wintershall-Chef Rainer Seele fand eindringliche Worte: Es gelte jetzt „Brücken zu bauen, nicht Brücken einzureißen“, sagte der Chef des größten deutschen Erdöl- und Gasförderers mit Blick auf die Ukraine-Krise. Mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland sei niemandem gedient.

Wintershall schon gar nicht. Denn die Verbundenheit mit dem russischen Öl- und Gasriesen Gazprom sorgt für Glanz in der Bilanz. Dass die BASF-Tochter im Rekordjahr 2013 den Umsatz um 16 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro herauffuhr und unterm Strich mit 1,8 Milliarden Euro 48 Prozent mehr verdiente als 2012, ist auch der Ergiebigkeit sibirischer Gasfelder zu verdanken.

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Und vor rund drei Monaten besiegelten die Unternehmen eine der größten Transaktionen im Energiesektor: In einem komplizierten Tauschgeschäft übernimmt Gazprom die Gashandelstochter Wingas (Kassel) sowie das unter Astora firmierende Speichergeschäft komplett (siehe Hintergrund). Daran wird nach Einschätzung Wintershalls die Ukraine-Krise nichts ändern.

Gegenwärtig wird an der Umsetzung der von EU und Bundesregierung genehmigten Transaktion gefeilt. Im Sommer soll sie abgeschlossen sein. Doch auch ein weiteres Tauschgeschäft trieb 2013 Umsatz und Ertrag in die Höhe. Die von der norwegischen Statoil übernommenen Anteile an den drei Öl- und Gasfeldern Brage, Gjøa und Vega gaben der Wintershall-Förderung vor der norwegischen Küste einen gewaltigen Schub.

Hatten die Nordhessen dort 2012 täglich Öl- und Gasmengen aus dem Boden geholt, die 3000 Barrel Öl entsprechen, waren es 2013 bereits 40 000 Barrel zu je 159 Litern am Tag. Die höheren Mengen aus Russland und Norwegen glichen Einbußen in Libyen aus, wo die Ölförderung an Land wegen einer Blockade der Exportterminals seit Juni steht. Nur auf den Offshore-Plattformen geht die Produktion weiter.

Insgesamt hielt Wintershall die Öl- und Gasproduktion mit 132 Millionen Barrel auf Vorjahresniveau. Schon 2014 sollen es 160 Millionen Barrel sein. Dafür will Wintershall in den kommenden fünf Jahren vier Milliarden Euro in den Ausbau des Öl- und Gasgeschäfts investieren, etwa die Hälfte davon in Russland und Norwegen. Neben der Nordsee, Russland und Südamerika, wo Wintershall unter anderem große Schiefergasvorkommen in Argentinien erwartet, entsteht im Mittleren Osten ein weiterer Schwerpunkt für die Nordhessen.

So wurde eine Kooperation mit der staatlichen Ölgesellschaft von Abu Dhabi vorangetrieben. Beim Projekt Shuwaihat geht es unter anderem um Sauergas, das einen hohen Schwefelgehalt hat und deshalb gereinigt werden muss. Auch mit dem britischen Ölmulti BP will Wintershall kooperieren. In einer am Mittwoch unterschriebenen Absichtserklärung vereinbarten die Unternehmen, laufende BP-Projekte und neue Vorhaben in Nordafrika und dem Mittleren Osten gemeinsam zu untersuchen und gegebenenfalls auszubeuten.

Von Barbara Will

Hintergrund

Deutsch-russische Verflochtenheit: Wintershall und Gazprom

Wintershall und Gazprom sind vielfach verbunden: Gasförderung: An der Gasförderung in Sibirien ist Wintershall bereits beteiligt. In einem Tauschgeschäft soll das Unternehmen Anteile an zwei weiteren Blöcken erhalten. Mindestens acht Milliarden Kubikmeter Gas könnten dort im Jahr gefördert werden. Davon ließe sich rechnerisch fast ganz Deutschland versorgen.

Gashandel: Gazprom übernimmt das Gashandels- und Speichergeschäft mit den Kasseler Unternehmen Wingas und Astora komplett. 2013 setzte der Erdgashandel 11,8 Milliarden Euro um. Vor Zinsen und Steuern blieb ein Gewinn von 857 Millionen Euro.

Nord Stream: An der Ostseepipeline Nord Stream ist Gazprom zu 51 Prozent beteiligt, Wintershall und Eon halten je 15,5 Prozent. Den Rest teilen sich Gasunie (Niederlande) und GDF Suez (Frankreich).

Opal: Die Leitung, die das Nord-Stream-Gas aufnimmt, gehört zu 80 Prozent einem Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall (50,02 Prozent) und Gazprom (49,98 Prozent). Gazprom will Opal stärker nutzen, die Genehmigung der EU lässt auf sich warten.

South Stream: An der geplanten Pipeline,die durchs Schwarze Meer von Russland nach Österreich führen soll, hält Gazprom 50 Prozent, Wintershall 15 Prozent.

Rubriklistenbild: © dapd

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