Betroffene leidet unter Dauermüdigkeit

Gassirunde ist für Kasselerin nach Corona-Infektion zu anstrengend geworden

Auf ihrer Terrasse: Petra Malkomeß aus Kassel leidet seit ihrer Corona-Infektion in diesem Jahr an Long Covid und hat mit Abgeschlagenheit zu kämpfen.
+
Auf ihrer Terrasse: Petra Malkomeß aus Kassel leidet seit ihrer Corona-Infektion in diesem Jahr an Long Covid und hat mit Abgeschlagenheit zu kämpfen.

Nach einer überstandenen Corona-Infektionen kämpfen viele Betroffene mit langwierigen Folgen. Dieses Phänomen wird Long Covid genannt. Wir sprachen einer Betroffenen aus Kassel.

Kassel – „Ich muss das jetzt wohl aussitzen“, sagt Petra Malkomeß aus Kassel über ihren Gesundheitszustand. Seit einer Infektion mit dem Coronavirus Ende April konnte die 58-Jährige noch nicht wieder in ihren normalen Alltag zurückkehren – starke Abgeschlagenheit und dauerhafte Müdigkeit machen ihr immer noch zu schaffen.

Es fing Ende April bei ihrem Ehemann mit starkem Schwindel an. Um sicherzugehen, machte er einen Corona-Schnelltest – positiv. Petra Malkomeß machte auch einen, ihrer fiel aber negativ aus. „Wir haben keine Ahnung, wo das herkommt. Wir waren vorsichtig: Nur zuhause, einmal in der Woche beim Einkaufen und sonst nur mit den Hunden spazieren gehen“, berichtet sie. „Außerdem hatten wir in den zwei Wochen davor Urlaub, mein Mann war also nicht einmal im Büro“, ergänzt Malkomeß, die für eine Spedition aus dem Homeoffice arbeitet und nebenberuflich einen Hundesalon betreibt.

Als dann auch der PCR-Test ihres Mannes positiv ausgefallen war und sich bei ihr die ersten leichten Erkältungssymptome bemerkbar machten, wollte Petra Malkomeß es also auch noch genauer wissen. Sie machte einen PCR-Test. Der Schnelltest, den sie während der Wartezeit auf das Ergebnis machte, fiel erneut negativ aus. Der genauere, laboruntersuchte PCR-Test war aber positiv. „Ich traue den Dingern nicht mehr“, sagt Malkomeß. Fünf Tage lag sie ihm Bett, konnte sich kaum bewegen und war sehr schlapp. Die Hunde der Familie Malkomeß’ wurden von Freunden abgeholt, um versorgt zu werden. „Da habe ich mir noch überhaupt keine Sorgen gemacht, mein Verlauf war ja immer noch ein recht leichter im Vergleich zu denen, die künstlich beatmet werden müssten“, sagt sie rückblickend auf die Zeit, als es langsam besser wurde. Besonders bitter: Sie war schon im Impfzentrum angemeldet, die Infektion kam ihr aber zuvor.

Frau aus Kassel war sieben Wochen lang krankgeschrieben

Nach zwei Wochen Quarantäne aber kam der Schock: Bei der vertrauten, keine zehn Minuten dauernden Gassirunde war etwas anders. „Ich musste schon bei der ersten kleinen Steigung eine Pause machen. An mein normales Tempo war nicht zu denken.“ Vorher, noch in Quarantäne zuhause, sei ihr die Schlappheit nicht weiter aufgefallen. Mittlerweile spüre sie die Folgen ihrer Corona-Infektion jeden Tag, war insgesamt sieben Wochen lang krankgeschrieben. Mehr sei ihrem Arzt nicht eingefallen. Fachärzte untersuchten die Lungenfunktion, Herzfunktion und die Gehirnströme – alles bestens. „So gesehen gibt es keine Diagnose“, sagt Malkomeß ernüchtert. Ende des Jahres hat sie einen weiteren Arzt-Termin, bei einem Gefäßspezialisten.

„Ich mache meine Büroarbeit jetzt schon 36 Jahre. Seit der Erkrankung machen mir aber sogar die vertrautesten Aufgaben Probleme.“ Anfangs habe sie keine anderthalb Stunden konzentriert am Stück arbeiten können. Das gehe mittlerweile besser – mehr als drei Stunden am Stück sind aber nicht möglich. „Meine Konzentrationsfähigkeit hat schon stark gelitten. Ich bin außerdem viel langsamer und muss vieles doppelt machen, weil ich nicht mehr weiß, wo ich war“, sagt sie. „Das nervt.“ Hinzukommen starke Probleme durchzuschlafen, obwohl sie den ganzen Tag müde sei. Das führe auch zu starker Gereiztheit, die sie so nicht von sich kenne. „An vielen Tagen wünsche ich mir nur, aufs Sofa zu können. Da kann ich dann aber auch nicht schlafen.“

Sie ist enttäuscht, dass ihr bisher kein Arzt helfen konnte. „Ich wünsche mir mehr Anlaufstellen, wo sich Spezialisten zusammen tun, um Long-Covid-Patienten zu behandeln“, sagt sie. Solange hofft sie, dass es ihr Stück für Stück besser gehen wird. (Von Gregory Dauber)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.