Gasthaus Spohr’s erhält wieder seine ursprüngliche Fassade von 1911

Neuer, alter Glanz: Malermeister Stephan Schwiegershausen orientiert sich bei der Gestaltung des Gasthauses am ursprünglichen Farbton der Fassade. Fotos: Koch, Stadtarchiv

Wehlheiden. Die Geschichte der ehemaligen Gastwirtschaft „Spohr’s“ begann mit einem Brief: Im Februar 1908 schrieb der Schreinermeister Carl Spohr an den Magistrat und bat die Stadt um eine Schankerlaubnis für eine Wirtschaft, die er an der Schönfelder Straße/Ecke Tischbeinstraße (früher Domainenweg) bauen wollte.

1911 war das stattliche Gebäude errichtet, das seine Enkelin Marianne Itter derzeit sanieren lässt. Bis zur Wehlheider Kirmes am übernächsten Wochenende soll die Fassade im neuen Glanz erstrahlen.

In seinem markanten Grün gehörte es zu den auffälligsten Gebäuden in Wehlheiden. Der neue Anstrich, eine Mischung aus hellgrau und eierschalenfarben, ist dezenter. Dafür entspricht er dem ursprünglichen Farbton, den das Haus zu Zeiten von Carl Spohr hatte. Ein Restaurator habe die alten Farbschichten untersucht und so den ursprünglichen Farbton der Fassade freigelegt, erzählt Itter. An diesem orientierten sich die Maler.

Das Grün gab’s in den 70ern

Mitte der 70er-Jahre, als der Denkmalschutz noch keine so große Rolle spielte, hatte das Haus sein grünes Gesicht erhalten. Mit den Jahren hatte aber nicht nur das Grün an Strahlkraft verloren, sondern auch die Balken in den Giebeln waren marode geworden. „Deshalb war eine grundlegende Sanierung nötig“, sagt Itter. Allein in die Fassade investiert sie 30 000 Euro und mindestens noch einmal soviel in die restlichen Arbeiten.

In dem Gebäude war über 100 Jahre hinweg durchgehend Gastronomie untergebracht: Während heute dort der Spanier „El Gitano“ zu finden ist, war es anfangs „Spohr’s Gasthaus Zur Bürgerschänke“ – eine Ausspannwirtschaft, neben der Bauern ihre Fuhrwerke in Stallungen vor Regen schützen konnten.

Spohr investierte also in eine Art Vorgänger der heutigen Autobahnraststätten, der auch Zimmer für den „Fremdenverkehr“ anbot. Carl Spohr hatte den Ort strategisch gewählt, weil dort, wie er in seinem Brief an die Stadt schriebt, die Fuhrwege aus Richtung Fritzlar, Naumburg, der Frankfurter Straße und der Kohlenstraße vorbeiführten. Auch der Kavallerie des königlichen Garnison-Kommandos wollte er Unterschlupf bieten. Dabei nutzte Spohr die Stallungen, die der Vorbesitzer der Grundstücks, der Großbauer Christoph Kersten, hinterlassen hatte.

Wegen der vielen Kneipen, die damals in Wehlheiden entstanden sind, war das Quartier seinerzeit auch als „Bierdorf“ bekannt. Viele Ehefrauen sollen es verflucht haben, weil es die Trunksucht ihrer Männer förderte.

Von Bastian Ludwig

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