Gebaut von der Firma Wegmann in Kassel: So kam der Luxuszug nach Persien

Verladung in Rotterdam: Die Aufnahmen entstanden 1959. Damals wurde der in Kassel bei Wegmann gebaute Luxuszug für den Schah auf ein Frachtschiff gehoben. Fotos:  Störmer/nh

Kassel. Die Geschichte vom Luxuszug für den Schah von Persien hat Wellen geschlagen. Nachdem die HNA über den exklusiven Salonwagen aus dem Jahr 1959 berichtete, hat sich ein weiterer Zeitzeuge gemeldet.

„Mein Vater war bei der Verschiffung dabei, es gibt auch noch Bilder“, sagt Michael Störmer (66).

Michael Störmer

Und so lief das damals: Auf dem Firmengelände von Wegmann in Rothenditmold wurden die exklusiven Salonwagen für Schah Reza Pahlawi gebaut. Vom Werksgelände ging es auf der Schiene Richtung Frankfurt und Aachen bis nach Rotterdam. Dort wurden die vier Wagen für die Reise nach Persien (heute Iran) verschifft. „Mein Vater Helmut war Exportleiter bei Wegmann und deshalb in Rotterdam dabei“, sagt Michael Störmer. Aus Erzählungen wisse er, dass damals der persische Botschafter vor Ort war. Sein Vater habe bereits ein Visum gehabt. Die Begleitung des Transports sei dann aber zur Chefsache erklärt worden. Die Söhne von Firmeninhaber August Bode seien zur Auslieferung des Zugs in Persien gewesen.

An Deck: Der erste von vier Salonwagen steht bereits auf dem Schiff. Drei müssen noch verladen werden.

Dort kamen die vier Salonwagen wohlbehalten an. Ausgestattet waren sie mit allem, was das Herz eines der reichsten Männer der Welt begehrte. Die Technik war auf dem neuesten Stand. Von der Funkanlage bis zur modernen Küche und dem großzügigen Bad. Am letzten Wagen gab es eine Rampe, damit der Fuhrpark an Luxusautos des Schahs mitfahren konnte. Alles war vom Feinsten, Geld spielte keine Rolle. So wurde an der Kasseler Werkkunstschule eine Landkarte aus weißem Leder für den Zug hergestellt. Die großen Städte auf dieser Karte waren mit Edelsteinen markiert. 

Besprechung: Helmut Störmer (links) mit dem persischen Botschafter.

Der Speisewagen sah aus wie der Salon eines Luxushotels. Ebenso nobel waren die Schlafwagen. „Ich weiß noch, dass meine Mutter sehr erleichtert war, dass mein Vater nicht mit nach Persien gefahren ist“, sagt Michael Störmer. Der habe mehrere Sprachen beherrscht und sei oft für Wegmann unterwegs gewesen. Das Unternehmen lieferte Salonwagen in die halbe Welt.

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