Gebuddelt wird noch nicht

Bombensuche auf dem  Georg-Stock-Platz: Spezialfirma scannt das Gelände

Wehlheiden. Bis Mittwoch wird die Bombensuche auf dem Georg-Stock-Platz in Wehlheiden andauern. Eine Spezialfirma sucht auf dem Gelände nach Weltkriegs-Blindgängern. Im Kasseler Rathaus wurde im Mai eine Untersuchung angeordnet. Seitdem ist der Kirmes-Platz gesperrt.

„Bombensuche ist eigentlich nicht das richtige Wort“, sagt Dr. Armin Dünkeloh von QuMon, einer Fachfirma für Kampfmittelortung mit Sitz in Lohra bei Marburg. „Wir kartieren und durchleuchten den Boden“, sagt er. „Mehr passiert erst einmal nicht. Eine Bombe werden wir heute nicht finden.“

Seit Dienstagfrüh ist Dünkeloh mit seinem Kollegen Oliver Lorenz auf dem Georg-Stock-Platz zugange. Mit Maßband und knalliger Signalfarbe stecken sie auf dem 3000 Quadratmeter großen Georg-Stock-Platz zunächst ein Raster ab, das sie dann mit einem speziellen Ortungsgerät (Scanner) zentimetergenau ablaufen. Zuvor hat die Stadt Kassel den kompletten Platz von Müll, Sitzbänken, großen Steinen und schweren Betonklötzen befreit – sie könnten die Bombenortung beeinflussen.

Erst am Dienstagnachmittag ging die eigentliche Messung los. Herzstück ist eine Art Handwagen, der wie ein Fahrradanhänger über den Platz gezogen wird. Das Besondere: das zweirädrige Vehikel ist vollgestopft mit Technik, die nur Physiker verstehen. Es geht um Spulen, Magnetfelder, Wirbelströme und elekromagnetische Induktion. „Am Ende haben wir eine Karte, auf der genau zu sehen ist, wo sich Metallteile im Boden befinden – bis zu sechs Meter tief“, sagt Dünkeloh. Meist sei schon zu erkennen, um was es sich für Gegenstände handele. „Meist ist es Abfall, ein altes Rohr, eine Autofelge. Nur selten liegt tatsächlich eine Bombe im Boden“, sagt Lorenz.

Keine Angst vor Bomben

Angst davor, dass ausgerechnet im Augenblick der Bodenmessung ein Blindgänger hochgehen könnte, haben die beiden Bombensucher nicht. Selbstentzündungen seien äußerst selten. „Abgesehen davon ortet unser Verfahren zerstörungsfrei. Das heißt, falls da tatsächlich eine Bombe ist, wird sie durch die Messung nicht beeinflusst“, sagt Dünkeloh. Viel gefährlicher sei es schon, wenn ein Bagger beim Graben auf eine Bombe trifft. Werde ausgerechnet der Zünder getroffen, könne es wirklich gefährlich werden.

Noch bis heute Nachmittag werden Dünkeloh und Lorenz mit dem Scannen der Fläche beschäftigt sein. Die gesammelten Daten werden dann von einem Computer in eine Bodenkarte umgerechnet – jede Besonderheit wird dadurch sichtbar. „Die Karte wird in einer Woche fertig sein“, sagt Dünkeloh. Sie werde dann zum Auftrageber – also der Stadt Kassel – geschickt, die dann wieder einen Spezialisten zur Analyse der Karte beauftragt. „Erst dieser Kampfmittelspezialist wird sagen, ob überhaupt, und wenn ja, wo genau eine Bombe unter dem Georg-Stock-Platz zu vermuten ist.“ Erst dann werde eine Grabung durch einen Kampfmittelräumdienst veranlasst.

Von Boris Naumann

Rubriklistenbild: © Koch, Lothar

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