Hebammen ziehen im September an die Rammelsbergstraße

Kasseler Geburtshaus bald in neuen Räumen in der Rammelsbergstraße

Noch Baustelle: An der Rammelsbergstraße hat das Geburtshaus ab September sein neues Zuhause. Darauf freuen sich die Hebammen Heidi Heimbs (links) und Jo Marie Mitzlaff. Foto: Berens

Kassel. Das Kasseler Geburtshaus wird, was es dem Namen nach seit 17 Jahren schon ist: ein eigenes Haus. Im September ziehen die elf freiberuflichen Hebammen von der bisherigen innenstadtnahen Wohnung an der Motzstraße in die Rammelsbergstraße in Wahlershausen um.

In der ehemaligen Kindertagesstätte der evangelischen Christuskirche stehen dann statt 160 fast 300 Quadratmeter zur Verfügung. Das Obergeschoss wird Hebammenpraxis und Geburtshilfe beherbergen, das Untergeschoss Kursräume.

Den Umzug bezeichnen die beiden Hebammen Jo Marie Mitzlaff und Heidi Heimbs als ein klares Bekenntnis in für den Berufsstand finanziell schwierigen Zeiten: Während viele Hebammen angesichts horrender Prämien zur Berufshaftpflicht (siehe Artikel unten) die Segel streichen, wage das Geburtshaus bewusst den Schritt, sich zu vergrößern. „Wir wollen uns breit aufstellen, um für die kommende Zeit gewappnet zu sein“, sagt Mitzlaff, die wie ihre Kollegin Heimbs ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt.

Nötig sei der Umzug vor allem deshalb geworden, weil der Bedarf an Kursangeboten steige. „Für viele Frauen ist das erste Baby in der Hand das eigene“, sagt Heimbs. Oft fehle ein Netzwerk vor Ort, es gebe viele Fragen.

Zwischen 80 und 100 Geburten registriert das Geburtshaus pro Jahr vor Ort, in der Wochenbettbetreuung werden etwa 200 Familien zu Hause begleitet. Hinzu kommen etwa 15 Kurse wöchentlich. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir mal das drittgrößte Geburtshilfe-Haus am Ort werden“, sagt Heimbs, die auch Kreisvorsitzende der Hebammen ist, mit Blick auf die Schließung vieler Geburtshilfestationen in den vergangenen Jahren. Selbst aus dem Werra-Meißner-Kreis und aus Hersfeld-Rotenburg kämen Frauen, um im Kasseler Geburtshaus zu gebären. Sie schätzten die persönliche Betreuung und intensive Begleitung.

Die freiberuflichen Hebammen des Geburtshauses haben sich zu einer Partnerinnengesellschaft (PG) zusammengeschlossen. Die Kosten für den Umzug in die neuen Räume an der Rammelsbergstraße, deren Grundsanierung die Christuskirche als Vermieter übernimmt, beziffert Mitzlaff auf 70 000 Euro. Den Betrag stemmt das Team aus Kapitaleinlagen. Gleichwohl sei man auf Unterstützung und Spenden angewiesen.

Eine Niederkunft zwischen Umzugskisten müssen Schwangere, die im September im Geburtshaus ihr Kind zur Welt bringen wollen, übrigens nicht befürchten: Das Geburtszimmer an der Motzstraße soll so lange nutzbar bleiben, bis das neue an der Rammelsbergstraße eingerichtet ist. „Wenn alle Stricke reißen, kommen wir zur Hausgeburt“, sagt Mitzlaff. Und Heimbs ergänzt: „Unser Beruf bringt es mit sich, von jetzt auf gleich zu reagieren.“

www.geburtshaus-kassel.de – E-Mail: kontakt@geburtshaus-kassel.de

Von Anja Berens

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