Berufsstand leidet unter Kostendruck und geringer Vergütung

Geburtshilfe: Viele Hebammen geben auf

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Viele freiberufliche Hebammen ziehen sich aus der Geburtshilfe zurück.

Kassel. In Stadt und Kreis Kassel ziehen sich immer mehr freiberuflich tätige Hebammen aus der Geburtshilfe zurück. Grund ist neben dem stark gestiegenen Beiträgen der Berufshaftpflicht das geringe Einkommen.

Die Berufshaftpflicht stieg von 1280 Euro im Jahr 2003 auf zuletzt 4242 Euro. "Die Vergütung ist existensbedrohend für den Berufsstand", sagt die Vorsitzende des Hessischen Hebammen-Landesverbandes, die Kasselerin Gabriele Kopp. Sie vertritt 140 Hebammen in Kassel und 1400 in Hessen.

Die Hebammen wollen eine bessere Vergütung. Statt eines Netto-Stundenlohns von 7,50 Euro fordern sie mindestens 10 Euro. Die Verhandlungen mit dem GKV, dem Spitzenverband der Krankenkassen, sind bislang ergebnislos geblieben. Aus GKV-Sicht liegen die Stundenlöhne höher. „Es gibt keine handfesten Belege der Hebammen“, sagt Sprecher Florian Lanz. Möglichweise seien die sinkenden Geburtenzahlen Grund der Unzufriedenheit. 2012 wurden in Kassel 3655 Kinder geboren, 50 mehr als im Vorjahr.

Laut Kopp haben in Stadt und Kreis Kassel allein in den vergangenen beiden Jahren 30 Prozent der Hebammen die Geburtshilfe aufgegeben. Werdenden Müttern, die zu Hause oder mithilfe einer Hebamme im nächst gelegenen Krankenhaus gebären wollen, bleibe oft nur noch der Weg in die Klinik, sagt Kopp. Gerade auf dem Land lebende Frauen müssten weite Wege in Kauf nehmen. „Da kann es zu prekären Situationen kommen“, sagt die 57-Jährige. Vor zehn Jahren hätten vier Häuser in Kassel Geburtshilfe angeboten, heute seien es nur noch zwei: das Klinikum und die Frauenklinik Dr. Koch der Diakonie-Kliniken.

Das Heilhaus und das Geburtshaus Kassel mussten Geburten mangels Hebammen schon ablehnen, sagt Kopp. Das Interesse, den Beruf zu ergreifen, habe nachgelassen. Die Zahl der Bewerberinnen habe sich halbiert. Junge Hebammen seien verunsichert.

Von Ellen Schwaab

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