100 000 Objekte aus dem Stadtmuseum müssen bis Ende März eingepackt werden

Ein Gedächtnis zieht um

Alle Stücke werden sorgfältig eingewickelt und verpackt: Johann Kunz (rechts) und Sorin Dumitru bereiten den Umzug in den Kellerräumen des Stadtmuseums vor. Fotos:  Koch

Kassel. „Nach Möglichkeit sollen wir am 1. April draußen sein. Das wird ein Kunststück werden“, sagt Dr. Cornelia Dörr am Samstag. Die Leiterin des Stadtmuseums hält sich derzeit auch an den Wochenenden in dem Museum am Ständeplatz auf. Dörr und ihre Kollegen haben viel zu tun: 100 000 Objekte, darunter 2500 bis 3000 Exponate, die aktuell ausgestellt werden, müssen eingepackt werden.

Sorgfalt ist angesagt. Dabei gehe es weniger um materielle als um ideelle Güter, sagt Dörr. Neben Exponaten wie zum Beispiel Kirchensilber oder Mobiliar aus der alten Henschel-Villa sind im Museum zahlreiche Zeugnisse der Alltagskultur untergebracht. „Wir sind das Gedächtnis der Stadt Kassel.“

Das Stadtmuseum muss aus seinem Quartier weichen, damit der Um- und Ausbau des im 19. Jahrhundert erbauten Hauses beginnen kann. Mit dem 7,3 Millionen Euro teuren Ausbau soll es sich von 1100 auf 2000 Quadratmeter vergrößern. Zur 1100-Jahr-Feier der Stadt Kassel im Jahr 2013 soll das Stadtmuseum wieder eröffnet werden. Bis dahin ziehen Dörr und ihre Kollegen in ein Ausweichquartier an der Wilhelmsstraße um. Historische Fotos, Stadtansichten, die Handschriften-Bibliothek und Grafiken, die von Bürgern, Schulen und Institutionen oft nachgefragt werden, sollen mit in die Wilhelmsstraße genommen werden.

Projekte laufen weiter

Schließlich soll während der Umbauzeit auch weiterhin an stadthistorischen Projekten gearbeitet werden: Es geht zum Beispiel um das Henschel-Jubiläum, 300 Jahre Karlskirche oder um „Amerikaner in Kassel“, ein Projekt des Engelsburg-Gymnasiums.

„Eine besondere Herausforderung beim Umzug stellen unsere großen Stadtmodelle dar“, sagt Dörr. Sie spricht von einem etwa 15 Quadratmeter großen Modell des zerstörten Kassels, das im Jahr 1955 angefertigt wurde. „Wir müssen sehen, dass wir dieses Modell heil rausbekommen.“

Die Umbauzeit soll auch dafür genutzt werden, dass einige Exponate restauriert werden: Dazu gehören zum Beispiel das Modell des zerstörten Kassels, eine Sonnenuhr aus der Brüderkirche und das Gemälde „Kassel aus dem Ballon“ von Wilhelm Lüttebrandt aus dem Jahr 1898. Das Bild ist extrem nachgedunkelt. Der Grauschleier, der Kassel bedeckt, soll entfernt werden. Das Gros der Exponate kommt jedoch einfach in ein Depot nach Bettenhausen.

Vom Herzstück der Ausstellung, einem Model Kassels aus dem Jahr 1766, wollen sich die Mitarbeiter auch während des Umbaus nicht trennen. Das Modell, das Kassel noch vor Anlage des Friedrichsplatzes nach den Plänen von Simon Louis du Ry zeigt, soll mit in die Wilhelmsstraße umziehen.

Eintritt frei

Alle Bürger, die das Stadtmuseum noch einmal besuchen möchten, können das bis zum 14. Februar machen. Ab morgen ist der Eintritt frei - quasi als Abschiedsgeschenk.

Mehr zum Stadtmuseum finden Sie unter www.hna.de/wiki

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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