Tag jährt sich heute

Tag der Bücherverbrennung: Gedenken in Kassel an verfolgte Journalisten

Scheiterhaufen bei der Bücherverbrennung am 19. Mai 1933 auf dem Friedrichsplatz in Kassel
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Ein Scheiterhaufen: Am 19. Mai 1933 wurden auf dem Friedrichsplatz Bücher von Autoren verbrannt, die die Nazis verfolgten, vertrieben und ermordeten.

Der Journalist und Heimatforscher Karl Heidelbach wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Dafür sorgen schon die Verantwortlichen des Zissels.

Kassel – Während des traditionellen Fullefestes wird Jahr für Jahr die Paul-Heidelbach-Medaille an Menschen verliehen, die sich um Kassel verdient gemacht haben. Eine ähnliche Auszeichnung hätte der Journalist Sigmund Dispeker sicher auch verdient gehabt. Er gehört zu denjenigen, die von den Nazis aus seiner Heimatstadt vertrieben wurden. Zum heutigen Jahrestag der Bücherverbrennung, die am 19. Mai 1933 auf dem Friedrichsplatz stattfand, wird daran erinnert. Und zwar nicht wie in früheren Jahren durch Lesungen vor dem Fridericianum. Durch die Coronabeschränkungen haben die Organisatoren eine andere Form gewählt. Mit einer Sendung im Bürgerfernsehen „Offener Kanal“ soll die Erinnerung wachgehalten werden.

Heute vor 88 Jahren stapelten Kasseler Nazis jede Menge Bücher zu einem Scheiterhaufen auf dem Friedrichsplatz und zündeten ihn an. Daran erinnern seit vielen Jahren Birgitt (75) und Gerd Möller (74) von der SPD-Altkassel-Bettenhausen mit Lesungen aus Werken der damals verfolgten Autoren. Unterstützer sind die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Gedenkstätte Breitenau.

Angesichts der zunehmenden Bedrohungen und Angriffe auf Journalisten und einem wachsenden Antisemitismus wolle man an Journalisten erinnern, die in Kassel gewirkt haben oder hier geboren sind.

Unter anderem an Richard Hauschildt, der von 1916 bis 1924 Stadtverordneter der SPD war. Der Redakteur des Volksblattes wurde von den Nazis in den Selbstmord getrieben. An ihn wird die jüngste Stadtverordnete im neugewählten Parlament, Nuria Perez Rivas (SPD), erinnern.

Mit Carl Mertens werde ein radikaler Pazifist geehrt, der in Kassel geboren wurde. Er habe die Zusammenhänge zwischen „Schwarzer Reichswehr und den „vaterländischen Verbänden“ an die Öffentlichkeit gebracht und in der Zeitschrift „Weltbühne“ veröffentlicht. An ihn erinnern die Journalisten Ramona Kopec und Sebastian Fiedler.

Autor und Mundartdichter: Paul Heidelbach.

Mit dem jüdischen Autor des Casseler Tageblattes Sigmund Dispeker wolle man wieder einmal das Schicksal eines Geflüchteten in den Blickpunkt rücken. Dispeker kehrte seiner Heimat im März 1933 mit seiner Frau und dem damals dreijährigen Sohn den Rücken. Die abenteuerliche Flucht ging über Frankreich und Spanien nach Haifa. Texte von Dispeker trägt der Student Adrain Buchwald vor.

„An das Schicksal von Paul Heidelbach sind wir durch verschiedene Artikel in der HNA erinnert worden“, sagt Gerd Möller. Der habe sich durch kritische Äußerungen in Richtung der Nationalsozialisten zunehmend in Gefahr gebracht. Seine Angehörigen überzeugten ihn davon, dass es besser sei, Kassel zu verlassen. Heidelbach verbrachte viele Jahre in der inneren Emigration. Er überlebte in Grifte (heute Edermünde, Schwalm-Eder-Kreis). An ihn erinnert Sascha Moravej. Foto: Privat/nh

Service: Die Sendung im Offenen Kanal beginnt heute um 18.30 Uhr. (Thomas Siemon)

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