Risikopatienten werden untersucht

Gefährliche Kieler Keime: Auch ein Fall in Kassel - Patient wurde isoliert

Gefährliche Krankheitserreger: Eine Ärztin betrachtet eine Bakterienkultur in einer Petrischale. Foto:  dapd

Kassel. Gefährliche Bakterien, gegen die kein vorhandenes Antibiotikum hilft, werden zunehmend zum Problem.

Das sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller, mit Blick auf die erschreckenden Meldungen über bereits zwölf Todesfälle im Uni-Klinikum Kiel. Einen solchen Ausbruch mit dem Bakterium Acinetobacter baumannii habe es in unserer Region glücklicherweise noch nicht gegeben. Im vergangenen Jahr sei an einem Kasseler Krankenhaus aber ein Patient behandelt worden, der diesen in Hessen meldepflichtigen Keim aus dem Urlaub eingeschleppt hatte. Der Patient habe Glück gehabt und die gefährliche Infektion überlebt.

Karin Müller

Müller: „Die Hygienemaßnahmen waren sehr gut.“ So sei der Patient auf multiresistente Keime untersucht und isoliert worden. Auch wenn in diesem Fall letztlich alles gut ging, vor allem weil das Immunsystem des Patienten stark genug war, so müsse gegen gefährliche Keime in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen noch mehr getan werden. „Wir haben auf jeden Fall Fortschritte gemacht, aber hinken mit unserem Wissen und den Maßnahmen immer wieder hinterher, weil die Bakterien noch schneller sind“, sagt die Medizinerin. Im Fall des Kieler Keims wirke auch das Reserveantibiotikum nicht mehr. „Je mehr das zunimmt, desto geringer sind die Behandlungsmöglichkeiten.“ Die meisten multiresistenten Keime würden beispielsweise aus Südostasien oder Südeuropa eingeschleppt.

Neben dem sorgsamen und gezielten Umgang mit Antibiotika sei es deshalb wichtig, Risikopatienten bei der Aufnahme im Krankenhaus gezielt auf Keime zu untersuchen und zu isolieren. Nach Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts gilt dies auch für Patienten aus Pflegeheimen, mit schweren Grunderkrankungen und künstlichen Körperzugängen.

Am Klinikum Kassel beispielsweise würden solche Risikopatienten auf multiresistente Erreger (MRE) routinemäßig untersucht, darunter auch MRGN (multiresistente gramnegative Erreger). Das gelte auch für Patienten, die kürzlich Kontakt zum Gesundheitssystem in bestimmten Ländern hatten, erläutert Sprecherin Heidrun Koskowski.

MRE-Netzwerke, wie es eines auch in unserer Region gibt und dem sich unter anderem die Krankenhäuser angeschlossen haben, seien hilfreich, um die Gefahr zu mindern und die Informationen zu verbessern, so Karin Müller. Letztlich aber müsse in jeder Einrichtung Hygienemanagement vorrangig behandelt und gelebt werden. Müller: „Da gibt es immer noch Verbesserungsbedarf.“

Von Martina Heise-Thonicke

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