Gefallen bei Metz – Block 14, Grab 358

Erinnerungen an Ersten Weltkrieg: Kasseler Abiturient Willy Pasche starb schon im Jahr 1915  

Zwei Generationen im 1. Weltkrieg: Links im Bild ist Hermann Vietor zu sehen, rechts sein Vater Carl. Fotos: privat/nh

Kassel. Auf die Berichterstattung über den Beginn des 1. Weltkriegs und die Situation vor 100 Jahren in Kassel hat es Rückmeldungen gegeben. So hat uns Dr. Dirk Wetzel auf die Suchfunktion der Internetseite des in Kassel ansässigen Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hingewiesen. Dort haben wir nach Willi Pasche gesucht und ihn unter Willy Pasche gefunden.

Seine Briefe an einen Schulfreund in Kassel zeigen schon im August 1914, wie sich der anfängliche Hurra-Patriotismus in Entsetzen über die Gräuel des Krieges verwandelte. Ein Foto von Willy Pasche gibt es nicht.

„Lass die Finger davon, Soldat zu werden, das rat ich dir“, schrieb der 18-Jährige seinem Freund in Kassel. Viele seiner Kameraden seien schon tot, andere verwundet und litten an Gasvergiftung. Kurz nach dem Abitur hatte er sich als Freiwilliger gemeldet.

Ausstellung im Rathaus

Der Brief gehört zu einer Ausstellung, die am 1. August im Bürgersaal des Kasseler Rathauses eröffnet wird. Acht Monate nach Kriegsbeginn ist der junge Mann aus Kassel gefallen. Das geht aus den Unterlagen des Volksbundes hervor, der ihn mit dem Dienstgrad Kriegsfreiwilliger führt. Sein Todes- / Vermisstendatum wird mit dem 2. April 1915 angegeben. Er wurde auf der Kriegsgräberstätte Thiaucourt-Regnieville in der Nähe von Metz begraben, Block 14, Grab 358. Etwa 50 Anfragen pro Monat verzeichnet der Volksbund auf seiner Internetseite mit der Gräbersuche. 4,7 Millionen Namen sind hier erfasst.

Gedenken an Vater und Opa

Carl Vietor und sein Sohn Hermann haben den Krieg überlebt und Nachfahren in Kassel. „Mein Großvater Carl war in den ersten beiden Kriegsjahren im Gefangenenlager auf dem Keilsberg eingesetzt“, sagt sein Enkel Rainer Vietor (80). Der Opa habe anfangs noch zu Hause essen und schlafen können. In dieser Zeit habe er auch ständig Kontakt zu seiner Buchhandlung gehabt. Erst Ende 1916 sei er nach Frankreich versetzt worden.

Keiner von ihnen weiß, ob er zurückkommt: Im August 1914 zogen auch in Kassel Tausende in den Krieg. Unter ihnen war auch der 18-jährige Abiturient Willy Pasche, der wenige Monate später ums Leben kam. Foto: Carl Eberth/nh

Hermann Vietor war zu Kriegsbeginn noch Schüler und wurde als Student im ersten Semester Ende 1916 eingezogen. Er sei zunächst in Russland und ab Oktober 1917 in Frankreich im Einsatz gewesen, berichtet Rainer Vietor. Die Buchhandlung - der Name ist unter dem neuen Besitzer geblieben - sei damals noch auf der anderen Seite der Wilhelmsstraße / Ecke Ständeplatz gewesen. Dort befindet sich heute ein Café.

Von Thomas Siemon

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